Euronics: Setzt mit „Kompass Blau“ neue Leitplanken für die Zukunftsstrategie

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Euronics Deutschland positioniert sich in einem herausfordernden Marktumfeld als stabiler und zugleich strategisch entschlossener Akteur. Im Rahmen der KOOP 2026 am 1. und 2. März sowie des vorgelagerten Kongresses (27./28. Februar) hat die Verbundgruppe ihren Kurs geschärft und zentrale Weichenstellungen für die kommenden Jahre vorgenommen

Trotz eines anspruchsvollen Geschäftsumfelds erzielte das Unternehmen im Geschäftsjahr 2024/25 ein positives Betriebsergebnis. Mit rund 1.100 Standorten erwirtschaftete Euronics einen Zentralumsatz von 1,313 Mrd. Euro: Zum Vergleich: Im Geschäftsjahr 2023/24 lag der ZR-Umsatz bei 1,35 Mrd. Euro mit 1.245 Standorten. Gleichwohl wurde eine Warenrückvergütung an die Mitglieder ausgeschüttet, was die wirtschaftliche Stabilität unterstreicht

Dennoch ist die Marktlage angespannt. Benedikt Kober beschreibt die Situation eindringlich: „Insgesamt haben wir in der gesamten Branche eine Situation, wie ich sie in den letzten 30 Jahren so noch nicht erlebt habe.“ Statt kurzfristiger Schwankungen beobachtet der Verband eine anhaltende Seitwärtsbewegung mit negativen Ausschlägen. „Die Erholung ist bisher nicht eingetreten“ – eine Einschätzung, die den strategischen Handlungsdruck verdeutlicht.

Benedikt Kober mahnt eine faire Zusammenarbeit zwischen Industrie und Handel an. Foto: Gabriel Wagner
Benedikt Kober mahnt eine faire Zusammenarbeit zwischen Industrie und Handel an. Foto: Gabriel Wagner

Verändertes Konsumverhalten und steigender Preisdruck

Neben konjunkturellen Unsicherheiten prägen strukturelle Veränderungen das Konsumverhalten. Vorweggenommene Käufe aus der Corona-Zeit, eine stärkere Priorisierung von Urlaub und Freizeit sowie Homeoffice-Effekte verschieben Nachfrage und Frequenzen im Handel, betonte Kober. Hinzu kommen geopolitische Spannungen und steigende Logistikkosten. Lieferengpässe bei zentralen Produktkategorien wie Notebooks, Smartphones oder Waschmaschinen gehören demnächst zur Tagesordnung. Kober machte deutlich, dass Preissteigerungen unausweichlich sind: „Die Produkte wird es zu den alten Preisen nicht mehr geben. Geräte mit schlechterer Ausstattung werden dann 200 Euro mehr kosten. Das wird eine echte Challenge. Aber wir werden dem Konsumenten irgendwann reinen Wein einschenken müssen.“ Die Konsequenz: Der Handel muss sich stärker auf Differenzierung und margenstarke Segmente konzentrieren.

Premium statt „Box-Moving“: Strategische Fokussierung

Die Antwort von Euronics liegt in einer klaren Positionierung im Premium-Segment. Die Zahlen belegen diese Ausrichtung: Bei Waschmaschinen liege der Durchschnittspreis 29 Prozent höher als im Markt, bei großen Fernsehern über 75 Zoll seien es 49 Prozent mehr, bei Kaffeevollautomaten 16 Prozent. Nicht höhere Preise für identische Produkte, sondern der Verkauf hochwertigerer Geräte sei der Unterschied. „Premium ist unser größtes Asset.“

Parallel dazu betont die Verbundgruppe gegenüber der Industrie die Notwendigkeit profitabler Zusammenarbeit. Benedict Kober formulierte klar: „Unsere Mitglieder leisten durch Kundennähe, Fachkompetenz und Service einen signifikanten Mehrwert, für den wir auch adäquat entlohnt werden wollen.“ Wachstum soll deshalb künftig noch stärker an Ertragsqualität geknüpft werden

Mehr Sichtbarkeit am PoS mit Hilfe des Ladenbausystems.
Mehr Sichtbarkeit am PoS mit Hilfe des Ladenbausystems.

„Kompass Blau“: Operative Schärfung der Strategie

Mit der Fünfjahresstrategie „Game Changer 2030“ hatte Euronics bereits 2025 einen langfristigen Rahmen definiert. Nun folgt mit „Kompass Blau“ die operative Konkretisierung. Ziel ist ein klar strukturiertes Vertriebslinienkonzept mit verbindlichen Leitplanken für Mitglieder und Industriepartner

Brendan Lenane beschreibt den Anspruch: „Mit Kompass Blau schlagen wir eine zukunftsweisende Richtung ein, mit der wir den Veränderungen der Marktlage entgegentreten und nicht nur unseren Mitgliedern, sondern vor allem auch der Industrie, Wege der optimalen Vermarktung im hybriden Marktumfeld eröffnen.“

Euronics-Projektmanager Martin Wünsche erklärt das modulare System des Marktplatzes Ladenbau.
Euronics-Projektmanager Martin Wünsche erklärt das modulare System des Marktplatzes Ladenbau.

Damit positioniert sich Euronics als strukturgebender Ordnungsrahmen zwischen Industrie und Fachhandel, mit klarer Sortiments- und Vermarktungslogik sowie effizienteren Prozessen. Auch regulatorisch werde die Marke geschärft. Lenane verwieß auf das Prinzip eines selektiven Vertriebssystems: „Es ist am Ende wie ein selektives Vertriebssystem (SDS). Nur wer autorisiert ist, darf die Ware unter der Marke Euronics verkaufen.“

Wachstumspotenziale und neue Geschäftsfelder

Trotz gedämpfter Konsumstimmung sieht Euronics gezielte Wachstumsfelder: Themen wie Robotik, energieeffiziente Geräte, Pet Care oder E-Scooter in den Fokus. Die Perspektiven für das laufende Geschäftsjahr sind eher ernüchternd: Bis zum 30.09.2026 rechnet Euronics nicht mit einer nachhaltigen Erholung. Aktionszeiträume wie die „Black Week“ gewinnen an Bedeutung, die Nachfrage konzentriere sich stärker auf einzelne Peaks.

Triabadi Schmidt (Head of Marketing and New Business Euronics Deutschland, r.) und Tatjana Lochmüller (Marketingmanagerin) stellen die Kampagne „Für mein bestes Vereinsheim der Welt“ vor. Foto: Rita Breer
Triabadi Schmidt (Head of Marketing and New Business Euronics Deutschland, r.) und Tatjana Lochmüller (Marketingmanagerin) stellen die Kampagne „Für mein bestes Vereinsheim der Welt“ vor. Foto: Rita Breer

Marke, Fläche und hybride Stärke

Auch auf Markenebene will Euronics die Position weiter festigen. Der Net Promoter Score bestätige die Entwicklung: stabil auf Platz drei hinter Amazon und MediaMarkt Mit der WM-Kampagne „Für mein bestes Vereinsheim der Welt“ setzt die Gruppe auf eine Verbindung aus nationaler Sichtbarkeit und lokaler Verwurzelung.

Parallel wird mit „XXL NXT“ das stationäre Großflächenformat weiterentwickelt. Digitale Elemente, Retail Media und neue Servicemodelle sollen Beratungsstärke und Effizienz verbinden. Kober bringt die Vorgehensweise unmissverständlich auf den Punkt:
„Wir brauchen Dienstleistungen. Wir müssen stationär die ‚Extra-Meile‘ gehen, um Kunden zu überzeugen.“

Fazit: Struktur, Partnerschaft und klare Prioritäten

Die strategische Stoßrichtung ist eindeutig: Mit „Kompass Blau“ als operativem Nordstern konkretisiert die Verbundgruppe ihre Transformation hin zu mehr Struktur, klarer Markenführung und engerer Industriepartnerschaft. In einem Markt, der von Unsicherheit, Preissteigerungen und veränderten Konsumgewohnheiten geprägt ist, setzt Euronics auf Premium, Service und hybride Stärke – und verbindet Wachstum konsequent mit Profitabilität.

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