Deutschland muss seine installierte Batteriespeicherkapazität in den kommenden Jahrzehnten massiv ausbauen. Laut einer aktuellen Analyse der CAV Partners AG könnte der Bedarf bis 2045 auf 500 bis 600 Gigawattstunden (GWh) steigen – etwa das 25-Fache der derzeit installierten Kapazität. Nur mit dieser Größenordnung lasse sich ein zunehmend erneuerbares Stromsystem stabil betreiben.
Derzeit verfügt Deutschland über rund 22 GWh installierte Batteriespeicherleistung, nachdem der Markt in den vergangenen Jahren stark gewachsen ist. Dennoch bleibt der Ausbau laut Studie deutlich hinter dem künftig notwendigen Bedarf zurück. Bereits bis 2030 könnten rund 125 GWh Speicherkapazität erforderlich sein, um steigenden Stromverbrauch und den wachsenden Anteil erneuerbarer Energien im Netz auszugleichen.
Treiber dieser Entwicklung sind vor allem Elektromobilität, Wärmepumpen, industrielle Elektrifizierung und zusätzliche Rechenzentrumsleistungen, die den Stromverbrauch bis 2045 auf bis zu 1.300 Terawattstunden steigen lassen könnten – mehr als doppelt so viel wie heute. Parallel scheiden konventionelle Kraftwerkskapazitäten schrittweise aus dem Markt aus, wodurch flexible Speicherlösungen an Bedeutung gewinnen.
„Mit wachsender Elektrifizierung steigt der Bedarf an flexiblen Systemkomponenten deutlich“, warnt Thomas Hartauer, Vorstandsvorsitzender der CAV Partners AG. „Batteriespeicher werden damit zu einer strukturell notwendigen Infrastruktur für ein Stromsystem, das zunehmend aus erneuerbaren Energien besteht.“
Neben der steigenden Nachfrage verbessern sich gleichzeitig die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Die Systemkosten für Batteriespeicher sind laut Daten des Fraunhofer ISE seit 2018 von rund 650 Euro auf etwa 320 Euro pro Kilowattstunde gesunken. „Für die kommenden Jahre werden mit größeren Produktionskapazitäten und einem erwarteten technischen Fortschritt weitere Kostendegressionen prognostiziert, sodass langfristig eine Reduktion um mehr als 60 Prozent gegenüber früheren Niveaus möglich erscheint“, so Hartauer.
Gleichzeitig weist die Analyse auf strukturelle Besonderheiten im deutschen Speichermarkt hin. Ein Großteil der installierten Kapazität entfällt bislang auf dezentrale Haus- und Kleinspeicher, während großskalige Batteriespeicherprojekte noch vergleichsweise selten sind. Zudem konzentriert sich der Ausbau derzeit vor allem auf Bayern, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg.
Um den zukünftigen Speicherbedarf zu decken, sei daher neben technologischen Fortschritten vor allem ein verstärktes Engagement privater Investoren erforderlich. „Die Stabilität der Stromversorgung wird zunehmend von Flexibilitätsoptionen abhängen“, erklärt Hartauer. „Der Ausbau von Speicher- und Netzinfrastruktur ist damit eine zentrale Voraussetzung für die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts und zugleich attraktiver Investmentsektor.“
