Gemeinsamer Auftritt von ritter , beezer und dittert: Moritz (l) und Lorin Schüller.
140.000 Besucher strömten nach Frankfurt. Der Internationalitätsgrad war nicht nur gefühlt sehr hoch, sondern die Zahlen belegen mit 71Prozent den starken globalen Zuspruch. Und so verwundert es nicht, dass sich auch die Anbieter von Elektrokleingeräten, die sich überwiegend in Halle 8.0 präsentierten, pudelwohl in dem Lifestyleumfeld fühlten.
Obwohl die geopolitische Lage, neue Zollbestimmungen und steigende regulatorische Anforderungen etwas anderes vermuten ließen, zeigten sich die Aussteller insgesamt durchaus positiv gestimmt – so das Meinungsbild, das infoboard.de auf der Ambiente eingeholt hat.
Doch auch die Messe Frankfurt wollte bereits im Vorfeld der drei Konsumgütermessen Ambiente, Christmasworld und Creativeworld ein innovatives Format ins Leben rufen, das Einordnung ermöglicht. Die erstmals veranstalteten Compass Talks setzten genau hier an: als gemeinsamer Startpunkt für die drei Leitmessen, als Ort für Klartext, Perspektivwechsel und faktenbasierte Diskussionen. Sie machten sichtbar, wo die globale Konsumgüterbranche steht, was KMU aktuell bewegt – und welche Stellhebel für Wachstum und Resilienz entscheidend sind.
Eine datengestützte Grundlage hierfür lieferten zudem die Ergebnisse des neuen Branchenindexes, der gemeinsam mit dem Institut für Handelsforschung (IFH Köln) entwickelt wurde. Dr. Kai Hudetz, Geschäftsführer IFH Köln, ordnete ein und bestätigte die von infoboard.de gesammelten Eindrücke: „Die Branche steht unter Druck, doch viele Unternehmen blicken vorsichtig optimistisch auf die eigene Entwicklung. Entscheidend wird sein, wie konsequent Geschäftsmodelle weiterentwickelt und Wertschöpfungsketten gestärkt werden – unterstützt durch stabile politische Rahmenbedingungen und mehr unternehmerischen Handlungsspielraum.“
Das war beispielsweise auch der Tenor von ritterwerk und dittert, die sich erstmals mit neu gestaltetem Standkonzept präsentierten. Die Markenwürfel waren farbig akzentuiert für ritter, dittert und beezer gefallen. Zweifelsohne ein Hingucker in der Halle 8.0. Und so freuten sich die beiden frischgebackenen Geschäftsführer Moritz und Lorin Schüller, die seit dem 1. Januar die Geschicke der Unternehmensgruppe von Ihrem Vater Michael Schüller übergeben bekommen haben, über sehr positives Feedback – nicht nur zur Präsentation, sondern auch zu den Produkten.
Einen spektakulären Auftritt hatte auch die Marke Zwilling, die nach mehreren Jahren Messeabstinenz wieder Flagge zeigte – analog vor Ort und digital im Tik Tok Booth, einer Glasbox, über die im Livestream rund um die Uhr neue Produkte in Aktion vorgestellt wurden. Ein besonderes Special für den chinesischen Markt. Und so bilanzierte Senay Tansu, Chief Commercial Officer, von Zwilling die Rückkehr der Marke auf die Ambiente als vollen Erfolg: „Unser Messestand wurde zu einem Statement für unsere neue Markenwelt – moderner, designstark, hochwertig und selbstbewusst. Frankfurt war für uns der ideale Auftakt, diese Weiterentwicklung und unseren Anspruch an Premiumqualität und Design global zu kommunizieren.“
Die Premiumfahne hielt ebenso Graef einmal mehr hoch, u. a. mit der neuen Siebträgermaschine „Dicianova“. Und das ebenso analog, wie digital. Ein Flyer, der mit 19 cm genauso schmal ist wie das elegante Gehäuse der neuen „Kleinen“, visualisiert die Dimension des Geräts zu Hause in der Küche. Via QR-Code lässt sich die Maschine aber auch digital per AR im Raum platzieren. Darüber hinaus gab es auf dem stand viel Gesprächsstoff über das Partner Premium Programm „G3P“, für das das Unternehmen in nur fünf Monaten 474 Händler begeistern konnte. Das Mehrwertschöpfungsprogramm richtet sich an die Leuchttürme des deutschen Elektrofachhandels und bietet neben der PoS-Inszenierung erlebbare Storys und zusätzlichen Service an. Das Ziel hat Graef vor Augen: 650 Partner.
Um mehr Kommunikation zum Endkunden geht es Rafal Dziegielewski, Managing Director Wilfa Germany. „Wir müssen als Hersteller die Feinheiten unserer Produkte herausstellen.“ Als Mittel sieht er beispielsweise QR-Codes, über die die Qualität der Artikel beschrieben werden können. „Industrie und Handel müssen Hand in Hand arbeiten, damit die Menschen wieder Geld ausgeben.“
Wie können wir noch besser im Service werden? Diese Frage stellte sich Rommelsbacher und testet derzeit einen Chatbot auf der Homepage mit aufschlussreichen Ergebnissen. Thomas Alter, Organisationsentwicklung, betonte, dass Rommelsbacher mit Hilfe dieses KI-gestützten Kundenservices bis Ende dieses Jahres bereits einen Automatisierungsgrad von 60 Prozent erreichen wird. Und die Mitarbeiter damit mehr Zeit aufwenden können für Exzellenz im Wettbewerb.
Mit einer neuen Sortimentsausrichtung beschäftigte sich Solis in den vergangenen drei Jahren. Mit sichtbarem Erfolg, wie sich bei der Präsentation in Frankfurt zeigte. Mit hochwertigen Kaffeevollautomaten, neuen Fun-Cooking-Lösungen und frischen Impulsen im Beauty-Segment wollen die Schweizer ein Ausrufezeichen setzen „Mit dem Masterbrew Compact treffen wir einen Nerv des Marktes: kompakter Genuss, einfach in der Handhabung, aber mit echtem Barista-Erlebnis“, sagte Andrej Ganski, Geschäftsführer der SVS, die Solis exklusiv in Deutschland vertritt.
Bereit für alle Trendthemen – und das seit 60 Jahren – zeigte sich Unold. Egal ob Sluch- und Softeis vereint im Kombigerät, ein kompakter Kaffeevollautomat im Trendton Creme oder ein stylisher Akkuventilator für alle Hitzefälle – die Entwicklungsabteilung des Unternehmens zeigte sich äußerst engagiert, um dem Fachhandel Themen an die Hand zu geben.
Breiter im Sortiment will sich Cloer künftig aufstellen. Zwar zeigte das Unternehmen in seinem Spezialgebiet ein Waffelkucheneisen (Cloer 6150), das sich auf Social Media zum absoluten Renner mauserte, doch auch in anderen Produktgruppen wie Standmixer, Reiskocher, Jogurtbereiter oder Wasserkocher will das Unternehmen ab sofort
Ein besonders nachhaltiges Programm hatte zudem Sjöstrandcoffee nach Frankfurt mitgebracht. Neben den schicken Kaffeemaschinen liefern die Schweden den passenden Kaffee dazu, der in biologisch abbaubaren Kapseln verpackt ist. Diese bestehen zu 80 Prozent aus Kaffeeschalen, die im Röstprozess übrig bleiben und zu 20 Prozent aus pflanzenbasiertem Biopolymer. Um den Nachhaltigkeitsgedanken weiterzuspielen, betont das Unternehmen, dass die Maschinen allesamt reparierbar sind und bietet einen entsprechenden Service an.
Für CASO Design punktet die Ambiente ganz klar mit ihrer Internationalität. „Wir haben viele gute, konstruktive Gespräche geführt und Kontakte zu Händlern und Distributoren aus verschiedenen Ländern geknüpft. Unter anderem konnten wir Neukunden aus Südamerika gewinnen. Das Interesse an unseren Produkten auf dem internationalen Markt ist groß, und wir sind zuversichtlich, dass wir unseren Export weiter ausbauen können.“ Schon heute zählt CASO Design mehr als 35 Exportländer zu seinen Partnern, unter anderem Dubai, den Libanon, Uruguay, Südkorea und Australien.
Beeindruckend, wie unterschiedlich sich die Aussteller auf der Ambiente dargestellt haben. Spannend war in jedem Fall, dass ungeachtet des rauen Konsumklimas jedes Unternehmen weiter intensiv an seinen Spezialthemen arbeitet. Und der Vorteil des Messe-Trios in Frankfurt: Ein Blick über den Tellerrand lohnt sich immer, wie z. B. zur Christmasworld, wo die karibisch-bunte Sonderpräsentation Decoration Unlimited im Tropical Bounty-Style Lust auf die neue Saison machte.
Der Futurist Ben Hammersley machte stellvertretend für viele Teilnehmer bereits am Donnerstag deutlich: „Entscheidend für die Zukunft ist nicht Planungssicherheit, sondern die Fähigkeit, mit Unsicherheit umzugehen – mit dem richtigen Mindset, Neugier und Anpassungsfähigkeit.“ Recht hat er – das Jahr 2026 liegt noch komplett vor uns, um die Weichen richtig zu stellen!
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