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Absage! Whirlpool „schwänzt“ die IFA

Was für ein Auftritt: Im vergangenen Jahr feierte Whirlpool mit seinen Marken Bauknecht und KitchenAid, Indesit und Hotpoint auf der IFA in Berlin eine glanzvolle Premiere. Die Halle 9 – trotz Steinwurfnähe zu Funkturm und Messedamm etwas abseits der Hausgeräte-Laufstraßen gelegen – mutierte zu einem echten Hotspot für die “Weiße Ware”. Halle 9 war die Whirlpool-Halle, und vom Auftritt des globalen Ankermieters profitierten auch viele andere wie Solis, Petra Electric, Fagor und Ecovacs.

Doch pünktlich zum Kehraus der vergangenen Woche kam am Freitag der Paukenschlag: Die Whirlpool Group wird auf der IFA 2016 nicht vertreten sein. Für die „Tochter“ Bauknecht gilt da das Sprichwort des Mitgehangen – Mitgefangen.

Grund für die Absage ist eine neue Messestrategie der Whirlpool Group, pro Jahr mit allen Marken nur auf einer großen internationalen Messe vertreten zu sein. Konkret: Die Whirlpool Corporation plant, künftig im jährlichen Wechsel auf der EuroCucina in Mailand und auf der IFA in Berlin präsent zu sein. Und da wir mit 2016 ein EuroCucina-Jahr schreiben, wurden die Messe- und Reisepläne diesseits des Teichs kurzerhand überraschend storniert.

Bildgalerie Whirlpool-Group auf der IFA 2015 ^

Kleinster gemeinsamer Nenner ^

Der Fachbesucher staunt, Branchenkenner reiben sich verwundert die Augen. Nicht nur, weil Mailand eine komplett andere Klientel – den Küchenhandel – bedient, auch weil Jens-Christoph Bildlingmaier, Vorsitzender der Geschäftsführung der Bauknecht Hausgeräte GmbH für Deutschland und Österreich, noch vor zwei Jahren sagte: „Die IFA ist ein Muss für die Branche!“ Man kann sich lebhaft vorstellen, dass Bidlingmaier die jüngste Entscheidung aus der Konzernzentrale im fernen Benton Habor (Michigan) mit Kopfschütteln und geballter Faust in der Hosentasche entgegengenommen hat.

Im offiziellen Statement der Bauknecht Hausgeräte GmbH liest sich das dann so:  „Als 100-prozentige Tochter der Whirlpool Corporation respektiert die Bauknecht Hausgeräte GmbH den strategischen Schritt einer IFA-Pause in diesem Jahr.“ Ein diplomatisches Statement, das man wohl den kleinesten gemeinsamen Nenner nennen darf.

Bei Whirlpool Europa jedenfalls, so Branchen-Insider zu infoboard.de, stieß die Konzern-Entscheidung auf Unverständnis, bei Bidlingmaier auf Kopfschütteln. Eine Entscheidung, die auch deshalb überraschend wie unerklärlich bleibt, da der Präsident und COO von Whirlpool, der deutsche Dr. Marc Bitzer, mit den deutschen wie europäischen Markt-Verhältnissen bestens vertraut sein dürfte.

Weg gegangen, Platz vergangen? ^

Der Rest des Statements ist Unternehmensprosa: Natürlich werde Bauknecht mit einem Maßnahmen-Paket im zweiten Halbjahr und besonders im vierten Quartal den bisher sehr erfolgreichen Verlauf des Jahres 2016 fortsetzen. Und neben der Vorstellung spannender Produktneuheiten plane das Unternehmen auch weiterhin mit starken Promotions, um den Fachhandel im Abverkauf zu unterstützen. Immerhin: „Im Rahmen der Küchenmeile A30 im Herbst wird sich Bauknecht als starker Partner des Handels mit umfangreichen Neuheiten im Bereich Einbau präsentieren.“ Heisst für alle, die Bauknecht-(Einbau-)Messeneuheiten in diesem Jahr sehen wollen: Vom Kudamm auf die Kuhweide, Bielefeld statt Berlin.

Ein offizielles Statement der Messe Berlin zur Whirlpool-Entscheidung gibt es nicht. Halle 9 bleibe attraktiv und werde unabhängig von Whirlpool auch weiterhin hochwertig besetzt sein, heißt es. Auf der Haben-Seite stehe der eigene Eingang der Halle zum Messegelände, verbunden mit dem Taxiplatz. Und auch der dort ausstellende TV-Sender (NTV) sorgt für reichlich Frequenz.

Spannend wird es dann 2017, wenn Whirlpool wieder unter dem Funkturm vertreten sein möchte. Kann man einfach so „Dir nichts mir nichts“ in einen Zweijahresrythmus auf der IFA wechseln? Und was, wenn das Beispiel Schule macht?  Vor allem: Heißt es dann für für den Hausgeräte-Weltmarktführer „weggegangen – Platz vergangen“? Das wäre nicht das erste Mal: Canon wollte vor einigen Jahren die IFA und die Photokina in Köln im Wechsel belegen. Folge: Der garantierte Ausstellerplatz war futsch, Canon musste sich wieder hinten anstellen.

Matthias M. Machan

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