Vom Kostendrücker zum Innovationstreiber: Electrolux-Einkaufschef Daniele Rossi über die Zukunft der Beschaffung

Daniele Rossi, Head of Procurement, im Elelectrolux Interview

Markt & Branche
EU AI Act - KI-modifiziert

Die Hausgerätebranche steht vor enormen Herausforderungen: Geopolitische Spannungen, brüchige Lieferketten und der ständige Druck zu mehr Nachhaltigkeit fordern ein Umdenken. Die Electrolux Group hat darauf nun eine strategische Antwort gefunden – und die liegt im Einkauf. Seit dem 1. September lenkt Daniele Rossi als neuer Head of Procurement die Geschicke des Konzerns.

Für alle Akteure im B2B-Sektor für Elektrogeräte gehören enge Margen und hoher Innovationsdruck zur täglichen Realität. Wenn ein Branchenriese wie Electrolux (zu dem Marken wie AEG und Zanussi gehören) seine Einkaufsstrategie neu ausrichtet, lohnt es sich, genauer hinzusehen. Daniele Rossi, der über 30 Jahre Erfahrung in Supply Chain und Produktentwicklung (unter anderem beim Stahlriesen Acciaierie d’Italia) mitbringt, hat eine klare Vision für seinen neuen Posten.

Der Einkauf im Zentrum der Transformation

Rossi macht deutlich, dass die Beschaffung heute weit mehr leisten muss, als nur Preise bei Lieferanten zu verhandeln. Es geht um echte Wertschöpfung. Für ihn liegt genau hier der Schlüssel für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit der Electrolux Group:

„Die größte Chance besteht darin, sich von einer traditionellen Kostenkontrollfunktion zu einem strategischen Treiber für Innovation und Kostenführerschaft zu entwickeln.“

Um das zu erreichen, wurde der Einkauf bei Electrolux nun vollständig in die neue Produktorganisation integriert. Das Ziel? Sogenannte „Design-to-Cost“-Initiativen. Der Einkauf redet künftig schon in der frühen R&D-Phase (Forschung und Entwicklung) mit.

„Durch die Abstimmung von Komponentenstandardisierung und Plattformnutzung über globale Produktfamilien hinweg können wir Komplexität und Kosten reduzieren, bevor ein Produkt überhaupt in die Produktion geht.“

Anstatt also am Ende der Kette den Preis zu drücken, wird die Kosteneffizienz bereits ins Produktdesign integriert. Gleichzeitig sollen Lieferanten viel früher in den Produktlebenszyklus eingebunden werden, um gemeinsam nachhaltige Lösungen zu entwickeln und die Time-to-Market zu verkürzen.

Das könnte auch interessant sein!

Die drei Makrotrends im globalen Sourcing

Auf die Frage, welche Trends den globalen Einkauf aktuell am stärksten prägen, nennt Rossi drei entscheidende Faktoren, die aktuell die Agenda jedes Supply-Chain-Managers dominieren sollten:

  1. Nachhaltigkeit: Beschaffungsentscheidungen basieren nicht mehr nur auf dem Preis. CO₂-Fußabdruck, Umweltleistung und Arbeitsstandards der Lieferanten fließen direkt in die Bewertung mit ein.
  2. Agilität: In einer volatilen Weltkrise ist Flexibilität der beste Schutz.
  3. Künstliche Intelligenz (KI): Weg von manuellen Aufgaben, hin zu prädiktiver Analytik, um Marktveränderungen frühzeitig zu erkennen.

Besonders beim Thema Agilität findet Rossi deutliche Worte, die angesichts der aktuellen Handelsunterbrechungen auf dem Weltmarkt hochaktuell sind:

„Agilität und Reaktionsfähigkeit sind zu unserem wichtigsten Schutz geworden. In Zeiten geopolitischer Unruhen und Handelsunterbrechungen muss der Einkauf hochgradig anpassungsfähige, diversifizierte Liefernetzwerke aufbauen, die schnell agieren können, um Unsicherheiten abzufedern.“

Nachhaltigkeit als „Must-have“ – und als Preistreiber

Oft wird Nachhaltigkeit als Kostentreiber gesehen. Rossi dreht den Spieß um. Er sieht verantwortungsvolle Beschaffung nicht nur als moralische Pflicht, sondern als harten Business Case.

„Nachhaltigkeit und verantwortungsvolle Beschaffung sind nicht mehr optional; sie sind miteinander verknüpfte strategische Notwendigkeiten und ein absolutes ‚Must-have‘ für den modernen Einkauf. Wir müssen unsere Branchenführerschaft im Bereich Nachhaltigkeit weiter nutzen, um unsere Produkte und Marken als Marktführer zu positionieren. Auf diese Weise können wir am Markt bessere Verkaufspreise erzielen.“

Unser Fazit

Die Pläne von Daniele Rossi zeigen einen klaren Paradigmenwechsel: Der Einkauf rückt aus dem Backoffice in die strategische Frontlinie. Für Zulieferer der Electrolux Group bedeutet das: Eine reine Fokussierung auf den Preis führt künftig kaum noch zum Erfolg. Gefragt sind stattdessen echte Innovationspartner, die Themen wie Nachhaltigkeit und CO₂-Reduktion aktiv vorantreiben.

× AI Icon