Der Reparaturmarkt für Haushaltsgeräte trifft auf hohes Interesse, aber auch auf Kosten- und Servicehürden

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Der Repartly Reparatur-Report 2026 zeichnet ein differenziertes Bild des deutschen Reparaturmarkts. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher möchten defekte Haushaltsgeräte weiter nutzen. In der Praxis scheitern Reparaturvorhaben jedoch häufig an hohen Kosten, fehlender Reparierbarkeit oder einer Empfehlung zum Neukauf. Für Hersteller, Fachhandel und Kundendienste ergeben sich daraus Risiken für Kundenbindung und Markentreue, aber auch Ansatzpunkte für neue Serviceangebote.

Soziodemografische Merkmale der Befragten. Grafik: Repartly

Defekte nach Ablauf der Gewährleistung sind weit verbreitet

Der Repartly Reparatur-Report basiert auf einer Onlinebefragung, die YouGov Deutschland im Mai 2026 durchgeführt hat. Insgesamt nahmen 2.164 Personen teil. Die gewichteten Ergebnisse sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.

Besitz von Haushaltsgeräten in Deutschland. Grafik: Repartly

Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen Waschmaschinen, Geschirrspüler und Wäschetrockner. Diese Geräte sind in deutschen Haushalten weit verbreitet: 96 Prozent besitzen eine Waschmaschine, 82 Prozent einen Geschirrspüler und 62 Prozent einen Wäschetrockner. 58 Prozent verfügen über alle drei untersuchten Gerätekategorien.

Anteil defekter Geräte außerhalb der gesetzlichen Gewährleistung. Grafik: Repartly

Defekte nach Ablauf der gesetzlichen oder versicherten Gewährleistung sind für einen großen Teil der Bevölkerung keine Ausnahme. 70 Prozent der Befragten mit entsprechenden Geräten berichten, dass mindestens eines davon außerhalb dieses Zeitraums bereits ausgefallen ist. Am häufigsten betrifft dies Waschmaschinen. 62 Prozent der Besitzerinnen und Besitzer haben bei diesem Gerät bereits einen Defekt außerhalb der Gewährleistung erlebt. Bei Geschirrspülern liegt der Anteil bei 57 Prozent, bei Wäschetrocknern bei 50 Prozent.

Elektronikfehler spielen dabei eine relevante Rolle. Von den Befragten mit mindestens einem defekten Gerät erinnern sich 52 Prozent daran, dass zumindest einmal ein elektronischer Defekt für den Ausfall einer Waschmaschine, eines Geschirrspülers oder eines Wäschetrockners verantwortlich war.

Reparaturinteresse ist vorhanden, führt aber nicht immer zur Instandsetzung

Die Studienergebnisse unterscheiden zwischen tatsächlich durchgeführten Reparaturen, erfolglosen Reparaturanfragen und dem direkten Neukauf. Dabei zeigt sich, dass Verbraucherinnen und Verbraucher je nach Gerät und Situation unterschiedlich handeln. Die einzelnen Erfahrungen schließen sich deshalb nicht gegenseitig aus.

Reparatur von Haushaltsgeräten außerhalb der gesetzlichen/versichtern Gewährleistung. Grafik: Repartly

56 Prozent der Befragten mit mindestens einem defekten Gerät haben bereits mindestens einmal eine Waschmaschine, einen Geschirrspüler oder einen Wäschetrockner durch den Kundenservice oder den Fachhandel reparieren lassen. Weitere 25 Prozent haben zwar noch keine erfolgreiche Reparatur durchführen lassen, aber zumindest einen Reparaturversuch unternommen.

Insgesamt weisen damit 81 Prozent ein durch konkretes Verhalten belegtes Reparaturinteresse auf. Nur 13 Prozent haben bei Defekten bislang ausschließlich ein neues Gerät gekauft, ohne sich zuvor um eine Reparatur zu bemühen.

Gleichzeitig berichten 70 Prozent, dass sie mindestens einmal direkt ein neues Gerät gekauft haben, ohne eine Reparatur anzufragen. Dieser Wert steht nicht im Widerspruch zum hohen Reparaturinteresse: Ein Teil der Befragten hat bei einem Gerät eine Reparatur versucht und sich bei einem anderen Defekt unmittelbar für einen Neukauf entschieden.

Hohe Kosten sind die wichtigste Reparaturbarriere

Die zentrale Herausforderung liegt weniger in einer grundsätzlich fehlenden Reparaturbereitschaft als in den Erfahrungen während des Reparaturprozesses. 72 Prozent der Befragten mit mindestens einem defekten Gerät haben mindestens einmal erlebt, dass eine gewünschte Reparatur nicht zustande kam.

Am häufigsten scheiterte das Vorhaben an den Kosten. 58 Prozent berichten, dass eine angefragte Reparatur mindestens einmal zu teuer gewesen sei. 49 Prozent haben erlebt, dass ein Gerät nicht mehr reparabel war. Bei 47 Prozent rieten Kundenservice oder Fachhandel wegen des Alters des Geräts von einer Instandsetzung ab.

Die begleitende Presseinformation fasst diese Ergebnisse als Lücke zwischen Nachfrage und Angebot zusammen. Das Interesse an einer Reparatur sei vorhanden, werde jedoch durch Preise, technische Grenzen und Serviceentscheidungen eingeschränkt.

Für die Marktteilnehmer ist dabei nicht nur die entgangene Reparatur relevant. Auch das Kundenerlebnis kann langfristige Folgen haben. Eine nicht durchführbare oder als zu teuer empfundene Reparatur beeinflusst nach den Ergebnissen sowohl die Wahl des nächsten Händlers als auch die Entscheidung für eine Marke.

Reparierbarkeit entwickelt sich zum Kaufkriterium

38 Prozent der deutschen Verbraucherinnen und Verbraucher geben an, beim Kauf eines neuen Haushaltsgeräts aktiv danach zu fragen, ob es bei einem Defekt unkompliziert repariert werden kann. In der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen liegt dieser Anteil bei 46 Prozent.

Reparierfähigkeit als Kaufkriterium. Grafik: Repartly

Die Studie leitet daraus ab, dass die Reparierbarkeit künftig an Bedeutung gewinnen könnte. Neben Preis, Ausstattung und Energieverbrauch wird damit auch die Frage relevanter, ob Ersatzteile, Reparaturinformationen und technische Lösungen über einen längeren Zeitraum verfügbar sind.

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Negative Reparaturerfahrungen können zugleich die Markenbindung beeinträchtigen. 48 Prozent stimmen der Aussage zu, dass sie beim Neukauf nicht noch einmal dieselbe Marke wählen würden, wenn das bisherige Gerät nur zu hohen Kosten oder überhaupt nicht repariert werden konnte. 37 Prozent antworten mit „teils, teils“, während 15 Prozent der Aussage eher oder vollständig widersprechen.

Für Hersteller wird die Reparaturfähigkeit damit nicht nur zu einer technischen oder regulatorischen Frage. Sie kann auch Auswirkungen auf Wiederkauf, Markenwahrnehmung und Kundenbindung haben.

Fachhandel und Kundenservice stehen unter Erwartungsdruck

63 Prozent der Befragten ärgern sich, wenn Fachhandel oder Kundenservice für ein defektes Haushaltsgerät kein preislich vernünftiges Reparaturangebot unterbreiten. Lediglich elf Prozent geben an, dass dies für sie keine wesentliche Rolle spiele.

Gleichzeitig ist das Vertrauen in eine schnelle und unkomplizierte Unterstützung begrenzt. Nur 25 Prozent stimmen der Aussage zu, dass sich Kundenservice oder Fachhandel bei einem defekten Haushaltsgerät zügig und ohne größere Schwierigkeiten um das Anliegen kümmern. 44 Prozent bewerten die Aussage unentschieden, 31 Prozent widersprechen ihr.

Image von Fachhandel/Service im Umgang mit defekten Geräten. Grafik: Repartly

Das Ergebnis beschreibt eine Wahrnehmung des Marktes und keine Bewertung einzelner Unternehmen. Für Fachhandel und Kundendienst zeigt es dennoch, dass Reparaturprozesse, Preisgestaltung und Kommunikation wesentliche Bestandteile der Kundenbeziehung sind.

Kommt eine Reparatur nicht zustande, verschärft sich der Wettbewerb beim Ersatzkauf. 75 Prozent erklären, dass sie Angebote vergleichen und das neue Gerät dort kaufen, wo es am günstigsten ist. Nur fünf Prozent widersprechen dieser Aussage.

Für den stationären Fachhandel besteht damit das Risiko, nach einer gescheiterten Reparatur nicht nur den Serviceauftrag, sondern auch den anschließenden Geräteverkauf zu verlieren. Ein nachvollziehbares Reparaturangebot kann dagegen einen zusätzlichen Kontaktpunkt schaffen und die weitere Kundenbeziehung stabilisieren.

Wissenslücken beim Recht auf Reparatur

Auch das Recht auf Reparatur ist vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern noch nicht im Detail bekannt. 46 Prozent stimmen der Aussage zu, bereits davon gehört zu haben, aber nicht genau zu wissen, was es ihnen in Bezug auf große Haushaltsgeräte bringt. Weitere 32 Prozent antworten unentschieden.

Statement Recht auf Reparatur: Ich habe davon gehört. Grafik: Repartly

Aus Sicht der Studie kann diese Unklarheit zu falschen Erwartungen führen. Denkbar sind insbesondere Missverständnisse darüber, ob Reparaturen kostenfrei erfolgen müssen oder wie ein „angemessener“ Preis auszulegen ist.

Damit steigt der Informationsbedarf im Fachhandel und im Kundenservice. Die neuen rechtlichen Vorgaben können Reparaturen zwar stärker in den Mittelpunkt rücken. Sie lösen jedoch nicht automatisch die bestehenden Probleme bei Kosten, Reparierbarkeit und Servicekapazitäten.

Reparaturangebote als Instrument der Kundenbindung

Der Report bewertet das hohe Reparaturinteresse als Ansatzpunkt für Hersteller und Handel. Voraussetzung ist, dass Reparaturen technisch möglich, wirtschaftlich nachvollziehbar und für die Kundschaft zugänglich sind.

Für Hersteller betrifft dies vor allem die Reparierbarkeit der Produkte, die Verfügbarkeit von Ersatzteilen und die Einbindung von Reparaturen in die Produktstrategie. Für den Fachhandel stehen transparente Angebote, eine verlässliche Beratung und klare Prozesse im Vordergrund.

Dr. Lennart Osthoff, Gründer und Geschäftsführer von Repartly, formuliert die daraus abgeleitete Position in der Presseinformation wie folgt: „Das Reparatur-Interesse der Deutschen ist kein Ärgernis. Im Gegenteil: Es ist eine Chance, sich im Wettbewerb echte Vorteile zu verschaffen. Mit Reparatur-Angeboten kann der Handel die Kundenzufriedenheit steigern und Kunden binden. Und wer als Hersteller auch Reparaturen mitdenkt, stärkt die Markentreue und kann Neukunden gewinnen – vor allem unter den Jüngeren, die beim Kauf vermehrt darauf schauen, ob Geräte repariert werden können. Den Preiskampf werden weder Fachhändler noch europäische Premium-Hersteller gewinnen. Aber attraktive Reparatur- und Service-Leistungen könnten ein echtes Alleinstellungsmerkmal sein – das aktuell viel zu wenig genutzt wird.“

Die Untersuchung zeigt damit einen Markt, in dem die Nachfrage nach Reparaturen vorhanden ist, die praktische Umsetzung aber häufig nicht den Erwartungen entspricht. Ob das Recht auf Reparatur seine beabsichtigte Wirkung entfaltet, wird deshalb auch davon abhängen, wie Hersteller, Fachhandel und Serviceorganisationen technische Reparierbarkeit, Kosten und Kundenkommunikation miteinander verbinden.

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