Pinterest liefert Denkanstöße für den stationären Elektrohandel

von infoboard.de
Das Wichtigste in Kürze (KI-Zusammenfassung)
  • Generation Z geht bewusst offline und sucht nach Inspiration mit praktischem Nutzen statt endlosem Scrollen.
  • Pinterest empfiehlt mit „Design the Exit" digitale Inhalte als Ausgangspunkt für reale Aktivitäten zu nutzen.
  • Für Elektrogeräte-Branche bedeutet dies, Produktkommunikation an konkreten Anwendungssituationen auszurichten.
  • Stationärer Fachhandel kann als Brücke zwischen digitaler Inspiration und Kaufentscheidung fungieren.
  • Wichtig ist die Verzahnung von Online-Marketing und stationärem Vertrieb mit klaren Handlungsangeboten.

Die Generation Z verändert ihren Umgang mit sozialen Medien. Statt endlos durch digitale Inhalte zu scrollen, suchen junge Verbraucher zunehmend nach Inspiration, die ihnen im realen Leben einen konkreten Nutzen bietet. Eine aktuelle Veröffentlichung von Pinterest zeigt, welche Konsequenzen sich daraus für Marken und Werbetreibende ergeben. Auch für die Elektrogerätebranche und den stationären Fachhandel liefert diese Entwicklung interessante Denkanstöße. Denn die Verbindung von digitaler Inspiration, konkretem Produktnutzen und persönlicher Beratung könnte künftig noch wichtiger werden.

40 Prozent der Generation Z wünschen sich laut einer von Pinterest zitierten Untersuchung, soziale Medien wären nie erfunden worden. Gleichzeitig gehen 63 Prozent der erwachsenen Angehörigen dieser Generation inzwischen bewusst offline. Dabei handelt es sich weniger um eine grundsätzliche Ablehnung digitaler Technologien als vielmehr um den Wunsch, die eigene Online-Zeit sinnvoller zu nutzen.

Auch das Suchverhalten auf Pinterest deutet auf diesen Wandel hin. Die Suchanfragen nach Alternativen zum Scrollen stiegen im Jahresvergleich um 365 Prozent, das Interesse an „analoger Ästhetik“ um 260 Prozent und die Suche nach dem Begriff „dumb phone“ um 150 Prozent.

Die Zahlen zeigen aus Sicht von Pinterest, dass digitale Angebote zunehmend als Ausgangspunkt für konkrete Aktivitäten im Alltag genutzt werden sollen.

Vom digitalen Impuls zum realen Erlebnis

Für Marken und Werbetreibende leitet Pinterest daraus einen veränderten Kommunikationsansatz ab. Unter dem Motto „Design the Exit“ sollen digitale Inhalte Menschen nicht möglichst lange auf einer Plattform halten, sondern ihnen helfen, Ideen tatsächlich umzusetzen.

Pinterest unterscheidet dabei zwischen passivem Scrollen und zielgerichteter Nutzung. Laut den vom Unternehmen angeführten Untersuchungen geraten Menschen in 44 Prozent der Fälle, in denen sie online gehen, in eine ungeplante Abfolge digitaler Inhalte. Werbeanzeigen würden in solchen Situationen häufiger ignoriert.

Anders sieht es laut Pinterest aus, wenn Nutzer gezielt nach Ideen, Produkten oder Lösungen suchen. Dann steigt die Bereitschaft, sich mit Marken auseinanderzusetzen und Kaufentscheidungen zu treffen.

Der Ansatz basiert auf drei Prinzipien: Menschen zunächst mit konkreten Möglichkeiten inspirieren, ihnen anschließend Orientierung für ihre Entscheidung geben und schließlich den Übergang zu einer realen Handlung erleichtern.

Was die Elektrogerätebranche daraus ableiten kann

Übertragen auf die Elektrogerätebranche ergibt sich daraus eine interessante Perspektive. Denn auch hier beginnt der Kaufprozess häufig mit einem konkreten Wunsch oder einer Alltagssituation – nicht zwangsläufig mit der Suche nach einem bestimmten Gerät.

Wer beispielsweise häufiger selbst kochen möchte, interessiert sich möglicherweise zunächst für Rezepte und Zubereitungsmöglichkeiten, bevor eine Küchenmaschine oder ein Airfryer in den Mittelpunkt rückt. Wer seine Wohnung neu einrichtet, beschäftigt sich zunächst mit Raumgestaltung und Wohnkomfort, bevor die Entscheidung für einen Fernseher, einen Staubsauger oder ein anderes Elektrogerät fällt.

Für Hersteller könnte es deshalb sinnvoll sein, digitale Produktkommunikation stärker an konkreten Anwendungssituationen auszurichten. Statt ausschließlich technische Merkmale und Leistungsdaten hervorzuheben, ließe sich deutlicher zeigen, welchen praktischen Nutzen ein Gerät im Alltag bietet.

Das bedeutet nicht, dass technische Informationen an Bedeutung verlieren. Vielmehr könnten sie gezielter dort eingesetzt werden, wo Verbraucher bereits eine konkrete Kaufabsicht entwickelt haben und unterschiedliche Produkte miteinander vergleichen.

Der stationäre Fachhandel als Brücke zwischen Inspiration und Kaufentscheidung

Besonders interessant ist der Pinterest-Ansatz für den stationären Elektrofachhandel. Während digitale Plattformen Inspiration liefern und erste Produktinformationen bereitstellen, kann das Fachgeschäft den nächsten Schritt ermöglichen: Geräte ausprobieren, Unterschiede unmittelbar erleben und offene Fragen im persönlichen Gespräch klären.

Damit könnte der stationäre Handel genau jene Verbindung zwischen digitaler und realer Welt schaffen, die Pinterest mit „Design the Exit“ beschreibt.

Ein digitaler Beitrag über die Möglichkeiten moderner Kaffeevollautomaten könnte beispielsweise nicht allein auf einen Onlineshop verweisen, sondern gezielt zu einer Vorführung im Fachgeschäft einladen. Ein Video über innovative Küchengeräte könnte mit einem Koch-Event vor Ort verbunden werden. Und aus digitalen Informationen über neue Fernsehtechnologien könnte eine persönliche Beratung mit direktem Bildvergleich im Handel entstehen.

Entscheidend wäre dabei, den Übergang zwischen den Kontaktpunkten möglichst einfach zu gestalten. Online buchbare Beratungstermine, Hinweise auf Produktvorführungen, Informationen zur lokalen Warenverfügbarkeit oder digitale Einladungen zu Veranstaltungen könnten dazu beitragen, aus einem ersten Interesse einen konkreten Besuch im Geschäft zu machen.

Nicht nur Aufmerksamkeit erzeugen, sondern Kunden in Bewegung bringen

Für den stationären Fachhandel könnte dieser Perspektivwechsel auch Auswirkungen auf die Erfolgsmessung digitaler Marketingaktivitäten haben.

Reichweite, Klickzahlen und Interaktionen bleiben wichtige Kennzahlen. Ergänzend stellt sich jedoch die Frage, wie viele digitale Kontakte tatsächlich zu einer weiterführenden Handlung führen – beispielsweise zu einer Terminbuchung, einer Produktvorführung oder einem Besuch im Fachgeschäft.

Damit gewinnt die Verzahnung von digitalem Marketing und stationärem Vertrieb an Bedeutung. Hersteller und Handel könnten gemeinsame Kampagnen entwickeln, die Verbraucher zunächst mit Anwendungsideen erreichen und anschließend gezielt zu lokalen Fachhandelspartnern führen.

Voraussetzung dafür sind passende Inhalte, klare Handlungsangebote und eine möglichst unkomplizierte Verbindung zwischen Online- und Offline-Kontaktpunkten.

Über den Tellerrand geschaut

Pinterest verweist darauf, dass inzwischen monatlich 640 Millionen Menschen die Plattform nutzen. 69 Prozent der monatlich aktiven Nutzer geben nach Unternehmensangaben an, dass Pinterest sie bei realen Entscheidungen unterstützt.

Diese Zahlen lassen sich nicht unmittelbar auf den Elektrogerätemarkt übertragen. Der dahinterstehende Ansatz bietet jedoch einen interessanten Denkanstoß für die Branche.

Denn wenn Verbraucher digitale Inhalte zunehmend als Hilfestellung für konkrete Vorhaben nutzen möchten, eröffnen sich auch für den stationären Fachhandel neue Möglichkeiten, seine Stärken sichtbar zu machen.

Persönliche Beratung, das unmittelbare Produkterlebnis und der direkte Austausch mit Fachleuten sind Leistungen, die sich mit digitalen Inspirationsangeboten verbinden lassen.

Die zentrale Frage könnte deshalb künftig weniger lauten, wie Hersteller und Händler möglichst viel Aufmerksamkeit im digitalen Umfeld erzielen. Interessanter ist, wie sie aus dieser Aufmerksamkeit konkrete Kundenkontakte und Einkaufserlebnisse entstehen lassen.