KI-Agenten sind beim Produktvergleich gefragt

von infoboard.de
Das Wichtigste in Kürze (KI-Zusammenfassung)
  • 57% der Verbraucher stehen KI beim Shopping offen gegenüber, möchten Kaufentscheidungen aber selbst treffen.
  • 73% würden einen KI-Agenten beim Vergleich von Produkten und Preisen einsetzen, nur 39% beim Kaufabschluss.
  • Transparenz, Kontrolle und Datenschutz sind für 74-79% der Befragten entscheidend für die Akzeptanz.
  • Produktqualität, günstige Preise und Seriosität sind die wichtigsten Auswahlkriterien, nicht Markenbekanntheit.
  • Handel und Hersteller müssen maschinenlesbare Produktdaten und verlässliche Informationen zur Verfügung stellen.

Verbraucher stehen KI-Unterstützung beim Einkauf überwiegend offen gegenüber, wollen die Kontrolle über Entscheidungen jedoch behalten. Das zeigt der Consumer Snapshot 03/2026 von KPMG. Für den Elektrogerätehandel ist insbesondere der Smartphone-Kauf relevant: Die Bereitschaft, Rechercheaufgaben zu übertragen, liegt deutlich über der Bereitschaft, einen KI-Agenten den Kauf abschließen zu lassen.

Für die Studie befragte das EHI Retail Institute im Auftrag von KPMG 500 Verbraucher repräsentativ online. Untersucht wurden Einstellungen und vorgestellte Nutzungssituationen rund um Agentic Commerce. Der Begriff bezeichnet Einkaufsprozesse, bei denen KI-Agenten mehrere zusammenhängende Aufgaben innerhalb festgelegter Regeln eigenständig übernehmen können – von der Recherche bis perspektivisch zur Kaufabwicklung. Tatsächlich autonom getätigte Kaufabschlüsse wurden nicht untersucht.

57 Prozent der Befragten stehen dem Einsatz von KI beim Shopping eher oder sehr offen gegenüber. 46 Prozent geben an, entsprechende Anwendungen in den vergangenen zwölf Monaten häufig oder sehr häufig zur Unterstützung von Kaufentscheidungen genutzt zu haben.

Recherche findet mehr Zustimmung als Kaufabschluss

73 Prozent können sich vorstellen, einen KI-Agenten beim Vergleich von Produkten, Preisen oder Angeboten einzusetzen. Auch die Verringerung des Aufwands bei Suche und Auswahl ist ein häufig genannter Einsatzbereich.

Wie weit Verbraucher einzelne Aufgaben übertragen würden, unterscheidet sich nach Produktkategorie und Entscheidungsschritt. Die Studie betrachtet Reinigungsmittel, Nahrungsergänzungsmittel, Sportschuhe, Wohnzimmercouches und Smartphones.

In der Smartphone-Teilgruppe mit 102 Befragten können sich 72 Prozent vorstellen, die Informationsrecherche einem KI-Agenten zu übertragen. Bei der Klärung des Bedarfs und der Bewertung von Alternativen sind es jeweils 65 Prozent. Für die konkrete Produktauswahl sinkt der Anteil auf 48 Prozent, für den Kaufabschluss auf 39 Prozent. Den Bezahlprozess würden sich 45 Prozent von einem Agenten abwickeln lassen.

Die Studienautoren führen die hohe Zustimmung bei der Smartphone-Recherche auf die Vielzahl an Informationen und Vergleichsmöglichkeiten zurück. Die Ergebnisse zeigen zugleich, dass die Bereitschaft zur Unterstützung keine pauschale Zustimmung zu einem vollständig autonomen Einkauf bedeutet.

Kontrolle und Transparenz bestimmen die Akzeptanz

Für 79 Prozent ist es wichtig, einen KI-Agenten jederzeit stoppen und Entscheidungen selbst übernehmen zu können. 74 Prozent wollen selbst festlegen, welche persönlichen Daten der Agent nutzt. Jeweils 71 Prozent legen Wert auf Klarheit über die Datennutzung und die Möglichkeit, bei Bedarf zu menschlicher Beratung zu wechseln.

Auch kommerzielle Einflussnahme spielt eine Rolle: 67 Prozent halten Transparenz darüber für wichtig, ob Anbieterinteressen berücksichtigt werden. 70 Prozent sehen in der systematischen Bevorzugung bestimmter Händler ein erhöhtes Risiko.

Bei den Auswahlkriterien stehen Produktqualität, günstigster Preis sowie Seriosität und Vertrauenswürdigkeit von Händler und Produkt vorn. 60, 51 beziehungsweise 43 Prozent ordnen diese Merkmale unter ihren drei wichtigsten Kriterien ein. Eine grundsätzliche Markenpräferenz erreicht 19 Prozent, Nachhaltigkeit 18 Prozent.

Verlässliche Produktdaten gewinnen an Bedeutung

Für Handel und Hersteller leiten die Studienautoren daraus Anforderungen an die Bereitstellung von Informationen ab. Händler sollten Produkt-, Preis-, Verfügbarkeits-, Liefer- und Serviceinformationen maschinenlesbar zugänglich machen. Hersteller sollten Unterschiede zwischen Produkten anhand überprüfbarer Leistungsmerkmale, Anwendungsvorteile, Kompatibilitäten und Serviceversprechen darstellen.

Markenbekanntheit allein gewährleistet nach Einschätzung der Autoren keine Berücksichtigung bei einem durch KI-Agenten vermittelten Einkauf. Entscheidend sei, ob ein Produkt auf Grundlage verlässlicher Informationen als passend erkannt werde. Ebenso wichtig bleiben nachvollziehbare Empfehlungen, korrigierbare Entscheidungen und menschliche Eingriffsmöglichkeiten.


Die Studie von KPMG/EHI gibt es hier zum kostenfreien download.