Think Pink: Daniel Kullmann, Head of Public Affairs bei EK Retail, brachte viele inspirierende Ideen mit aus Las Vegas und Birmingham, die er mit infoboard.de teilte. Foto: EK Retail
Herr Kullmann, was waren für Sie aus Handelssicht die wichtigsten Innovationen auf der CES in Las Vegas? Und was hat Sie dort am meisten begeistert?
Die CES hat auch dem letzten Nostalgiker klargemacht, dass die rasante technologische Entwicklung und die Veränderungen des Konsumverhaltens die Transformation des Handels in den nächsten Jahren entscheidend beschleunigen werden. Wir müssen sowohl die Customer Experience als auch die internen Prozesse im Fachhandel neu denken.
Drei Themen haben mich in Las Vegas besonders beeindruckt. Es wurde erstens deutlich, dass KI weit mehr ist als ein Tool, das ein bestehendes System unterstützt. Die Technologie entwickelt sich zum dominierenden Betriebssystem des Alltags. Sie steuert im Handel Prozesse von der Sortimentsplanung über personalisierte Shopping-Empfehlungen und die dynamische Preisoptimierung in Echtzeit bis hin zur Organisation der nahtlosen Customer Journey ohne Stolperfallen zwischen der digitalen und stationären Welt.
Auch bei Connected Retail und Smart Home, dem zweiten Thema, lösen sich diese Grenzen weiter auf. Geräte kommunizieren miteinander, erkennen Bedarfe und lösen selbstständig Bestellungen aus. Das eröffnet völlig neue Geschäftsmodelle und verändert die Erwartungen an Verfügbarkeit, Service und Logistik.
Das dritte Thema sind nachhaltige Technologien. Energie zu sparen, Ressourcen effizienter zu nutzen oder Produkte langlebiger zu machen ist gesellschaftlich relevant und wird auch für den Handel ein immer wichtigerer Differenzierungsfaktor. Alles in allem können wir Kunden künftig viel individueller, schneller und relevanter ansprechen und eine tiefere Verbindung zur Zielgruppe herstellen.
Am meisten begeistert mich allerdings, wie konsequent die Branche daran arbeitet, diese Technologien nutzbar zu machen – als echten Mehrwert für Konsumenten und zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit. Deshalb treiben wir auch bei EK die Umsetzung dieser Technologien voran. Auf unserer Messe EK LIVE im Januar haben Martin Wolf und sein Team von EK Home Electrical Appliances bereits unsere KI-Angebote für die electroplus Händler präsentiert, da ging es zum Beispiel um KI-unterstützte Kommunikationstools der Händler mit ihren Kunden oder auch wie die Sichtbarkeit der Händler in den gängigen KI-Tools erhöht werden kann, das sogenannte GEO: Generative Engine Optimization.
Smart Store-Konzepte gibt es bereits auch in Deutschland, doch nach wie vor eher als Exoten. Wann werden wir diese smarten Ladensysteme auf breiter Front hierzulande erleben? In welchen Bereichen rechnen Sie am ehesten damit?
Was heute für viele noch exotisch ist, wird in drei bis fünf Jahren fester Bestandteil des Alltags sein. In Deutschland entwickeln sich Smart Stores aktuell von einer Nischenposition zu einem relevanten Marktsegment, getrieben durch den Fachkräftemangel, steigende Kosten und den Wunsch der Verbraucher nach schnellen, reibungslosen Einkaufserlebnissen und Nahversorgung rund um die Uhr. Prädestiniert sind Smart Stores in Speziallagen, in denen hohe Kundenfrequenzen und einfache Sortimente, z. B. aus dem Convenience-Sektor, zusammenkommen. Das sind Bahnhöfe, Tankstellen oder Gewerbeparks. Im ländlichen Raum können die Stores zum Ersatz für geschlossene Dorfläden werden und sichern die Grundversorgung 24/7.
Auch der Lebensmitteleinzelhandel wird weiter automatisieren. Am Tag mit Personal, nachts im autonomen Betrieb, also ebenso hier rund um die Uhr mit Self-Checkout, Scan-&-Go und KI-gestützter Warensteuerung als Standard. Darüber hinaus erwarte ich viel Dynamik in Drogerien, Baumärkten und Elektronikmärkten. Hier geht es vor allem um intelligente Regale, automatisierte Bestandsführung und digitale Beratung.
Kurz gesagt: Smart Stores werden kein Nischenphänomen bleiben. Sie kommen – aber differenziert, je nach Standort, Sortiment und Kundenerwartung.
Welche Vorteile bringen Smart Store-Konzepte für den Handel?
Die Konzepte steigern die Effizienz im operativen Geschäft, reduzieren den manuellen Aufwand sowie daraus entstehende Kosten und schaffen Freiräume für Kernkompetenzen wie Beratung und Service. Sie sorgen durch Self-Checkout, digitale Regaletiketten oder KI-gestützte Empfehlungen dafür, dass der Einkauf intuitiver und reibungsloser wird. Und sie liefern wertvolle Daten zum Einkaufsverhalten oder zur Performance von einzelnen Produkten, die zur Optimierung der Sortimente und zur Ausspielung individualisierter Angebote genutzt werden können.
Grundsätzlich helfen digitale Konzepte dabei, schneller zu reagieren, neue Services zu testen und sich nicht zuletzt auch im Wettbewerb mit den reinen Online-Plattformen stark zu positionieren: Das Sortiment ist physisch präsent, auswählbar und ohne Lieferzeiten rund um die Uhr verfügbar.
Wie kann und muss sich der Handel darauf vorbereiten? Welche Probleme sind zu lösen?
Smart Stores bringen nicht nur neue Technologien, sondern verändern ganze Betriebsmodelle. Für den Handel bedeutet das: Er muss sich strategisch, organisatorisch und technologisch neu definieren, um die Potenziale wirklich auszuschöpfen. Was wollen wir im Einzelnen erreichen? Welche Datenstrategie fahren wir? Wie konzipieren wir die technologische Infrastruktur? Diese und andere Fragen müssen gestellt und beantwortet werden.
Dazu kommen nicht unerhebliche Investitionskosten, die Herausforderungen von Datenschutz & Regulierung, die technische Komplexität vieler noch nicht standardisierter Smart-Store-Lösungen und nicht zuletzt die Erhöhung der Akzeptanz bei den überwiegend noch skeptischen Verbrauchern, aber auch bei den eigenen Mitarbeitern. Unter dem Strich muss der Handel Smart Stores als Transformationsprojekt begreifen – nicht als Technologieexperiment.
Sie waren anschließend noch auf der Spring Fair in Birmingham und hatten Gelegenheit, sich im Handel umzusehen. Welche Ideen konnten Sie von dort mitbringen?
Nach den Tagen auf der CES in Las Vegas hat die Spring Fair ein spannendes Kontrastprogramm geboten, da sie im Gegensatz zu spezialisierten Tech Messen ein unglaublich breites Branchenspektrum abdeckt – von Home & Living über Fashion, Geschenkartikel, Spielwaren bis hin zu Lifestyle und Konsumgütern. Und genau diese Vielfalt ist es, die mich immer wieder fasziniert und die Reise nach Birmingham für den internationalen Handel so wertvoll macht.
Auffällig war, wie stark viele Aussteller auf neue Inszenierungs- und Präsentationsformen für ihre Produkte setzen. Sie arbeiten mit Demo Flächen, die die Händler unmittelbar zum Ausprobieren einladen. Das schafft Nähe zum Produkt und senkt die Hemmschwelle, sich mit Neuheiten zu beschäftigen.
Außerdem habe ich interessante Ansätze im Bereich Nachhaltigkeit gesehen – etwa modulare Verpackungskonzepte oder Reparatur Services, die direkt am Point of Sale angeboten werden. Ein spannender Ansatz auch für EK Retail. Die Spring Fair war einmal mehr eine echte Impulsquelle für kreatives Retail-Denken.
Wie wichtig ist es für den Handel, auch mal über den Tellerrand zu schauen? Wo kommen aus Handelssicht die meisten Innovationen her?
Wer nicht über den Tellerrand schaut, verpasst den Wandel der Zeit, der Märkte und der Verbrauchergewohnheiten. Man sieht zu oft nur die gleichen Herausforderungen – und auch die gleichen Lösungsansätze. Gerade deshalb sind Formate wie unsere EK Studienreisen zu internationalen Messen so wichtig: Sie öffnen den Blick für andere Märkte, andere Handelskonzepte und andere Denkweisen. Messen sind immer auch eine Quelle der Kreativität und Inspiration.
Innovation entsteht auch im Handel selten im stillen Kämmerlein, sondern dort, wo Austausch stattfindet – mit Händler-Kollegen, mit Herstellern, mit internationalen Partnern. Von anderen zu lernen, Ideen mitzunehmen und sie für das eigene geschäftliche Umfeld weiterzuentwickeln, ist ein zentraler Motor für Fortschritt und Erfolg. Deshalb ist es aus meiner Sicht entscheidend, offen und neugierig zu bleiben.
Für den Fachhandel ist der enge Draht zum Kunden existentiell wichtig. Wie können technische Innovationen dabei helfen, die Kunden noch besser zu analysieren und zu verstehen, um daraus letztendlich mehr Umsatz zu erzielen?
Ich hatte es schon kurz angesprochen, Datenanalyse und KI ermöglichen heute ein viel präziseres Bild vom Kundenverhalten als früher. Durch die Auswertung von Kaufhistorien, Warenkörben, Frequenzdaten oder sogar anonymisierten Bewegungsprofilen im Geschäft lassen sich Muster erkennen: Welche Artikel werden gemeinsam gekauft, welche Zielgruppen reagieren auf welche Angebote, zu welchen Zeiten ist die Kaufbereitschaft besonders hoch. Diese Erkenntnisse helfen dem Händler, Sortimente zu optimieren, Bestände besser zu planen und personalisierte Empfehlungen auszusprechen.
Dazu kommen digitale Touchpoints wie Loyalty-Apps, digitale Kassenbons oder Kundenkonten. Sie liefern wertvolle Insights und eröffnen gleichzeitig neue Möglichkeiten für maßgeschneiderte Dienstleistungen wie individuelle Angebote, Service-Erinnerungen oder exklusive Events. Das stärkt die Kundenbindung und erhöht die Wiederkaufrate.
Darüber hinaus unterstützen Technologien wie KI-gestützte Beratungstools oder Produktfinder das Team vor Ort. Durch die sofort verfügbaren Informationen bleibt mehr Zeit für das, was den Fachhandel ausmacht: persönliche Beratung und die Intensivierung der Händler-Kunden-Beziehung.
Am Ende geht es nicht darum, den Kunden ‚gläsern‘ zu machen, sondern relevanter, schneller und persönlicher zu werden. Wenn Technologie dazu beiträgt, Bedürfnisse früher zu erkennen und passgenau zu bedienen, entsteht ein klarer Mehrwert – für den Kunden und für den Umsatz.
Wer wird aus Ihrer Sicht mittelfristig zu den Gewinnern im Handel zählen und warum?
Ich bin überzeugt, dass die Händler gewinnen, die ihre traditionellen Stärken konsequent mit technologischer Unterstützung verknüpfen oder – diese Formulierung habe ich von einer Messe mitgebracht – die Magie des Physischen mit der Bequemlichkeit des Digitalen verbinden.
Dabei sind Unternehmer, die in starken Verbund-Konzepten wie electroplus oder happybaby organisiert sind, klar im Vorteil. Sie spielen ihre Stärken in punkto Beratung, Service und lokaler Nähe zum Kunden aus und profitieren gleichzeitig von professionellem Marketing, besseren Einkaufskonditionen und digitalen Lösungen der Verbundgruppe. Diese Kombination aus regionaler Verwurzelung und gemeinsamer Schlagkraft macht sie im Wettbewerb deutlich robuster und für Kundinnen und Kunden attraktiver.
Wie muss Retail künftig neu gedacht werden?
Retail darf in Zukunft nicht mehr als Ort gedacht werden, an dem Produkte verkauft werden, sondern muss sich als Ökosystem, das Bedürfnisse antizipiert, Erlebnisse schafft und Daten intelligent nutzt, neu erfinden. Die Tools dafür kommen nicht zuletzt aus der KI-Technologie. Was sich nicht ändern wird, ist die Seele des Handels: die bleibt menschlich, denn es geht bei allem Fortschritt in allererster Linie um Nähe, Verlässlichkeit und Authentizität.
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