Österreich könnte zum Bremsklotz werden in dem Übernahmedeal von Ceconomy durch JD.com.
Ceconomy hatte im Juli 2025 eine Investitionsvereinbarung mit JD.com geschlossen, um seine Position als führende Omnichannel-Plattform für Consumer Electronics in Europa weiter auszubauen. Der Partner aus China soll insbesondere Technologie-, Handels- und Logistikkompetenz einbringen.
Nach Angaben des Unternehmens liegen kartellrechtliche Genehmigungen sowie Investitionsfreigaben bereits in Frankreich und Italien vor. Auch in Deutschland und Spanien wird kurzfristig mit einer Zustimmung gerechnet. Anders stellt sich die Lage jedoch in Österreich dar: Hier hat die zuständige Behörde Bedenken geäußert und zeigt sich bislang nicht kompromissbereit.
Damit entwickelt sich Österreich zum kritischen Faktor innerhalb des Gesamtprozesses. Der Abschluss der Transaktion, ursprünglich für das erste Halbjahr 2026 vorgesehen, ist vor diesem Hintergrund aktuell unsicher.
Ceconomy und JD.com verweisen darauf, bereits umfangreiche Zusagen gemacht zu haben – unter anderem zu Standortsicherung, Arbeitsplätzen, Datenschutz und Management-Unabhängigkeit. Darüber hinaus seien zusätzliche Angebote unterbreitet worden, um regulatorische Bedenken auszuräumen.
Jan Niclas Brandt, CEO MediaMarkt Österreich, hebt insbesondere die Datenschutzstandards hervor: „Mit den von JD.com und Ceconomy angebotenen Zusagen würde MediaMarkt künftig über eine Datenschutzrichtlinie verfügen, die einem Unternehmen der Luft- und Raumfahrtindustrie ähnelt. Damit gehen wir weit über das hinaus, was üblicherweise für ein Handelsunternehmen gilt.“
Auch Ceconomy-CEO Kai-Ulrich Deissner sieht ein grundlegendes Missverständnis auf Seiten der Behörden: „Es scheint ein Missverständnis darüber zu geben, was das Geschäftsmodell eines Handelsunternehmens ausmacht: Wir bringen Produkte in den Handel, schon heute, stellen sie aber nicht her. Die Partnerschaft mit JD.com bringt uns einen weltweit agierenden Partner mit einzigartiger Handels-, Technologie- und Logistikexpertise.“
Er ergänzt mit Blick auf die strategische Bedeutung: „Darum setzen wir auch weiterhin alles daran, diese Partnerschaft zu verwirklichen – für unsere Kunden, für Europa und natürlich auch für die Volkswirtschaft in Österreich.“
Für die Elektrohausgeräte- und Consumer-Electronics-Branche bleibt die geplante Partnerschaft hochrelevant. JD.com gilt als einer der technologisch fortschrittlichsten Handels- und Logistikplayer weltweit. Eine engere Zusammenarbeit könnte Ceconomy – und damit auch den Vertrieb von Haushaltsgeräten – deutlich stärker in Richtung datengetriebene Plattformmodelle, schnellere Lieferketten und integrierte Services entwickeln.
Gleichzeitig zeigt der Fall, dass geopolitische und investitionskontrollrechtliche Themen zunehmend Einfluss auf internationale Handelskooperationen nehmen. Für Hersteller und Händler in Europa bedeutet dies wachsende Unsicherheit bei strategischen Allianzen mit außereuropäischen Partnern.
Ob Österreich letztlich grünes Licht gibt, dürfte daher nicht nur für Ceconomy, sondern für die gesamte Branche Signalwirkung haben. Die österreichische Tageszeitung „Die Presse“ schreibt dazu, falls Österreich seine Position nicht ändere, bliebe Jan Niclas Brandt als letztes Mittel, sich mit MediamarktSaturn vom österreichischen Markt zu verabschieden. 2.000 Arbeitsplätze in 56 Filialen würden dann auf dem Spiel stehen.
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