Der magnetisch gekoppelte Drehregler von ANY lässt sich aufsetzen, drehen und drücken; Fotocredit: Dyson
Touchscreens haben sich bei vielen Haushaltsgeräten als zentrales Bedienelement etabliert. Das Projekt ANY setzt dazu einen ergänzenden Ansatz: Eine digitale Oberfläche wird mit einem physischen Drehregler kombiniert, der sich aufsetzen, drehen und drücken lässt.
Unter der versiegelten Oberfläche befindet sich eine Leuchtdioden-Matrix, auf der Symbole, Menüs und Animationen dargestellt werden können. Der Regler selbst ist nicht mechanisch befestigt, sondern magnetisch durch die Oberfläche gekoppelt. Sensoren erkennen unterschiedliche Eingaben und übersetzen die Drehbewegung in haptisches Feedback.
Damit verbindet das Konzept die Flexibilität digitaler Benutzeroberflächen mit einer Bedienlogik, wie sie von klassischen Drehreglern bekannt ist. Die Entwickler Leonard Neuberger und Linus Rüllmann von der Weißensee Kunsthochschule Berlin adressieren damit insbesondere Situationen, in denen glatte Touchoberflächen ohne taktile Rückmeldung die Bedienung erschweren können.
Für die Elektrogerätebranche ist der Ansatz vor allem deshalb interessant, weil die Entwickler Haushaltsgeräte ausdrücklich als mögliches Einsatzfeld sehen. In der nächsten Entwicklungsphase soll ANY erstmals in ein reales Gerät integriert werden. Konkret ist die Erprobung an einer Waschmaschine vorgesehen.
Darüber hinaus nennen Neuberger und Rüllmann weitere Haushaltsgeräte sowie Anwendungen im medizinischen und industriellen Bereich als mögliche Einsatzfelder.
Damit berührt ANY eine grundsätzliche Frage der Geräteentwicklung: wie sich zunehmend digitale Funktionen mit einer intuitiven und haptisch nachvollziehbaren Bedienung verbinden lassen. Gerade bei Geräten mit wachsenden Funktionsumfängen könnte die Kombination aus kontextabhängiger Anzeige und physischem Bedienelement neue Möglichkeiten für die Gestaltung von Benutzeroberflächen eröffnen.
Die Entwicklung von ANY begann mit einer Analyse klassischer Haushaltsgeräte und ihrer Bedienlogiken. Auf dieser Grundlage entstand das Konzept eines physischen Reglers, dessen Funktion sich abhängig vom angezeigten Menü verändern kann.
Hardware und Software wurden parallel weiterentwickelt. Die magnetische Kopplung wurde nach Angaben des Projektteams in mehreren Iterationen auf Zuverlässigkeit getestet, während Reibung und haptisches Feedback fortlaufend angepasst wurden.
Für Hersteller könnte ein solcher Ansatz perspektivisch zwei Anforderungen miteinander verbinden: flexible digitale Benutzeroberflächen und eine physisch erfahrbare Bedienung. Ob und in welcher Form sich das Konzept für Seriengeräte eignet, muss sich allerdings erst in weiteren Tests und bei der geplanten Integration in reale Produkte zeigen.
In den kommenden sechs bis zwölf Monaten wollen die Entwickler eine robustere Systemversion entwickeln, weitere Nutzertests durchführen und eine Pilotstudie vorbereiten. Hinzu kommen erste regulatorische und kommerzielle Schritte.
„Als nächstes steht die weitere Feinabstimmung der Benutzeroberfläche im Fokus. ANY wird mit verschiedenen Nutzergruppen getestet, technisch verbessert und noch wichtiger: erstmals in ein reales Gerät integriert. Konkret wollen wir zeigen, wie sich damit beispielsweise eine Waschmaschine bedienen lässt.“
Als nationales Gewinnerprojekt des James Dyson Award 2026 erhält ANY 5.000 Pfund beziehungsweise rund 5.770 Euro für die weitere Entwicklung. Zudem nimmt das Projekt an der internationalen Runde des Wettbewerbs teil.
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