Expert verzeichnet Umsatzrückgang und setzt auf Digitalisierung und Multichannel-Handel
Das Wichtigste in Kürze (KI-Zusammenfassung)
- Expert erzielte im Geschäftsjahr 2025/2026 einen Innenumsatz von 2,05 Milliarden Euro und verzeichnete damit einen Rückgang von 4,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
- Die Verbundgruppe mit 171 Gesellschaftern und 364 stationären Standorten investiert verstärkt in digitale Lösungen und den Ausbau des Onlinegeschäfts.
- Mit der Strategie 2030+ fokussiert Expert auf vier Handlungsfelder: Onlinegeschäft, Mitarbeiterentwicklung, Partnerschaften und interne Veränderungen.
- Im Bereich Unterhaltungselektronik sank der Innenumsatz um 14,2 Prozent, während Family Entertainment mit plus 10,0 Prozent positiv entwickelte.
- Das Logistiznetzwerk deckt inzwischen rund 75 Prozent Deutschlands ab und verbindet Onlinevertrieb mit Beratung und Service vor Ort.
Die Fachhandelskooperation Expert hat im Geschäftsjahr 2025/2026 einen Innenumsatz von rund 2,05 Milliarden Euro erzielt. Das entspricht einem Rückgang von 4,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Trotz der anhaltenden Konsumzurückhaltung investiert die Verbundgruppe in digitale Lösungen, die Weiterentwicklung ihrer Standorte und den Ausbau des Onlinegeschäfts. Mit der Strategie 2030+ legt Expert den Schwerpunkt auf Wettbewerbsfähigkeit, Partnerschaften und interne Veränderungen.
- 1. Unterschiedliche Entwicklung in den Warengruppen
- 2. Onlinegeschäft und Logistik im Fokus
- 3. Digitalisierung soll Prozesse im Fachhandel vereinfachen
- 4. Standortentwicklung und Stärkung der Gesellschafter
- 5. Reparatur und Kreislaufwirtschaft gewinnen an Bedeutung
- 6. Strategie 2030+ als Grundlage für die weitere Entwicklung
Die Expert-Gruppe hat das Geschäftsjahr vom 1. April 2025 bis zum 31. März 2026 unter schwierigen Marktbedingungen abgeschlossen. Wirtschaftliche Unsicherheiten, geopolitische Konflikte und ein intensiver Wettbewerb belasteten weiterhin die Kaufbereitschaft der Verbraucher.
Der Innenumsatz sank von rund 2,15 Milliarden Euro im Vorjahr auf 2,05 Milliarden Euro. Auch der Außenumsatz, der die Verkäufe der Gesellschafter an Endkunden abbildet, ging um 5,1 Prozent zurück. Damit entwickelte sich Expert etwas besser als die vergleichbare Wettbewerbergruppe mit minus 5,5 Prozent, blieb jedoch hinter dem Gesamtmarkt zurück, der ein Minus von 1,1 Prozent verzeichnete.
Zum Ende des Geschäftsjahres gehörten der Expert-Gruppe 171 Gesellschafter mit insgesamt 364 stationären Standorten an. Darunter befanden sich 278 Fachmärkte, 77 Fachgeschäfte und neun Telekommunikationsspezialisten. Die Gesamtverkaufsfläche verringerte sich auf 439.000 Quadratmeter.
Unterschiedliche Entwicklung in den Warengruppen
Die Geschäftsentwicklung verlief in den einzelnen Sortimentsbereichen unterschiedlich. Besonders deutlich fiel der Rückgang im Bereich Unterhaltungselektronik aus. Hier sank der Innenumsatz um 14,2 Prozent. Während das Audiogeschäft leicht zulegen konnte, entwickelte sich insbesondere das TV-Segment rückläufig. Die Nachfrage verlagerte sich zunehmend in das Einstiegssegment, während große Bildschirmdiagonalen ab 75 Zoll weiterhin gefragt blieben.
Im Bereich Elektrohausgeräte verzeichnete Expert beim Innenumsatz einen Rückgang von 2,0 Prozent. Das stationäre Geschäft entwickelte sich rückläufig, während die Onlineumsätze um 39,0 Prozent stiegen. Bei Elektrogroßgeräten blieb insbesondere das Geschäft mit Solostandgeräten hinter dem Vorjahr zurück, während Einbaugeräte leichte Zuwächse erzielten. Bei Elektrokleingeräten trugen Roboter sowie Wasch- und Trockensauger positiv zur Entwicklung bei. Im Kaffeesegment erwiesen sich Siebträgermaschinen als Wachstumstreiber, während Kaffeevollautomaten lediglich geringfügig zulegen konnten.
Die Informationstechnologie entwickelte sich mit einem Innenumsatzplus von 1,2 Prozent positiv. Vor allem Notebooks, Desktop-PCs und Speicherlösungen stützten das Geschäft. Dagegen verzeichnete Expert im Bereich Telekommunikation einen Rückgang von 9,1 Prozent. Im Segment Family Entertainment stieg der Innenumsatz um 10,0 Prozent. Impulse kamen insbesondere aus dem Konsolengeschäft und der Nachfrage nach E-Scootern.
Onlinegeschäft und Logistik im Fokus
Ein zentraler Bestandteil der Expert-Strategie 2030+ ist der Ausbau des Onlinegeschäfts. Die Kooperation will digitale Vertriebskanäle stärker mit den stationären Fachgeschäften und Fachmärkten verbinden.
Insbesondere bei Elektrogroßgeräten wird das onlinefähige Sortiment erweitert. Dazu gehören Waschmaschinen, Trockner, Waschtrockner, Geschirrspüler und Kochfelder. Die Grundlage dafür bilden unter anderem zusätzliche Lagerkapazitäten und ein zentral organisierter Einkauf. Die Auslieferung kann sowohl direkt an Endkunden als auch über das bestehende Logistiknetzwerk an angeschlossene Fachhandelsstandorte erfolgen. Damit sollen die Vorteile des Onlinevertriebs mit Beratung und Serviceleistungen vor Ort verbunden werden. Das Logistiknetzwerk von Expert deckt nach Unternehmensangaben inzwischen rund 75 Prozent Deutschlands ab. Im abgelaufenen Geschäftsjahr wurden unter anderem Lieferzeiten und Schadensquoten verbessert.
Digitalisierung soll Prozesse im Fachhandel vereinfachen
Neben dem Ausbau des Onlinegeschäfts investiert Expert in die Digitalisierung interner Abläufe und die Unterstützung der Fachberater am Point of Sale.
Im November 2025 wurde die Umstellung auf SAP S/4HANA abgeschlossen. Die Modernisierung der zentralen Systemlandschaft soll Prozesse in Bereichen wie Finanzen, Controlling und Abrechnung verbessern und zusätzliche Automatisierungsmöglichkeiten schaffen. Eine weitere Entwicklung ist die Aussteller-App, mit der Restposten, Ausstellungsstücke und Vorführgeräte digital erfasst und vermarktet werden. Im Geschäftsjahr wurden rund 80.000 Artikel über die Anwendung aufgenommen und für unterschiedliche Vertriebskanäle aufbereitet.
Über das Outlet-Center erzielte Expert einen Onlineumsatz einschließlich Reservierungen von 4,5 Millionen Euro. Insgesamt wurden rund 17.000 Restpostenartikel mit einem Warenwert von 3,0 Millionen Euro verkauft. Auch die mobile Fachberateranwendung Expert Neo wurde weiterentwickelt. Sie unterstützt unter anderem Beratungs- und Verkaufsprozesse. Ergänzend setzt die Kooperation auf elektronische Preisschilder sowie die Werkstattsoftware Expert Sara zur digitalen Steuerung von Service- und Reparaturaufträgen.
Standortentwicklung und Stärkung der Gesellschafter
Auch das stationäre Standortnetz wurde im Geschäftsjahr 2025/2026 weiterentwickelt. Neue Fachmärkte eröffneten in Kaiserslautern, Krefeld und Walsrode. Zudem trat das Familienunternehmen Expert Roters aus Varel zum 1. Oktober 2025 der Kooperation bei. Die Fachmärkte in Bad Kissingen und Schweinfurt wurden zum Jahresende 2025 von Expert Jakob übernommen und innerhalb der Verbundgruppe weitergeführt.
Parallel dazu schloss Expert die organisatorische Neuausrichtung seiner eigenen Einzelhandelsaktivitäten ab. Mit der Integration von Expert Bening zum 1. April 2026 werden inzwischen 63 Regiebetriebe zentral aus Langenhagen gesteuert. Die Gesamtbonusausschüttung an Gesellschafter und Mitglieder belief sich im Geschäftsjahr auf 215,9 Millionen Euro, nach 235,5 Millionen Euro im Vorjahr. Gleichzeitig verbesserte sich die Eigenkapitalquote der Expert SE um 0,8 Prozentpunkte auf 30,2 Prozent.
Für das Geschäftsjahr 2025/2026 soll der Hauptversammlung vorgeschlagen werden, keine Dividende auszuschütten, um die Eigenkapitalbasis weiter zu stärken.
Reparatur und Kreislaufwirtschaft gewinnen an Bedeutung
Neben digitalen Vertriebs- und Serviceangeboten beschäftigt sich Expert verstärkt mit der Verlängerung von Produktlebenszyklen. Die Kooperation verfügt über 133 Standorte mit Werkstatteinheiten und mehr als 300 Serviceannahmestellen. Darüber hinaus werden wiederaufbereitete Geräte angeboten und gebrauchte Produkte über Re-Commerce-Lösungen erneut vermarktet.
Im Zusammenhang mit dem europäischen Recht auf Reparatur hat Expert gemeinsam mit ElectronicPartner, Euronics und Wertgarantie ein Positionspapier unterzeichnet. Die Zusammenarbeit soll unter anderem wirtschaftlich tragfähige Reparaturprozesse, den Austausch von Servicedaten und gemeinsame Schulungsangebote fördern.
Strategie 2030+ als Grundlage für die weitere Entwicklung
Mit der Strategie 2030+ hat Expert vier zentrale Handlungsfelder definiert: Onlinegeschäft, Mitarbeiter, Partnerschaften und interne Veränderungen. Neben technologischen Investitionen soll insbesondere die Weiterentwicklung der Mitarbeiter zur Wettbewerbsfähigkeit beitragen. Dazu gehören Schulungsoffensiven für unterschiedliche Warengruppen, die Expert Akademie sowie das Nachwuchsführungskräfteprogramm eFNext.
Für das laufende Geschäftsjahr 2026/2027 rechnet die Kooperation über alle Sortimentsbereiche hinweg mit einer positiven Entwicklung. Neue Produktimpulse, eine stärkere Verzahnung der Vertriebskanäle und organisatorische Maßnahmen sollen dazu beitragen.
Der Geschäftsbericht verdeutlicht damit die strategische Ausrichtung der Verbundgruppe: Während das Marktumfeld von rückläufigen Umsätzen und zurückhaltender Nachfrage geprägt bleibt, setzt Expert auf die Verbindung regionaler Fachhandelsstrukturen mit zentralen Dienstleistungen, digitalen Anwendungen und zusätzlichen Serviceangeboten.
Autor infoboard.de (10271 Beiträge)
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