Black Friday bringt Elektrofachhandel Chancen und neue digitale Konkurrenz

von Gabriel Wagner
Das Wichtigste in Kürze (KI-Zusammenfassung)
  • Elektrogeräte erreichen während Black Friday und Cyber Monday einen Kaufindex von 149, deutlich höher als andere Kategorien wie Unterhaltungselektronik mit 131.
  • 51 Prozent der potenziellen Aktionskäufer planen, künstliche Intelligenz zur Angebotssuche einzusetzen, besonders zur Preisrecherche und Rabattprüfung.
  • Stationärer Elektrofachhandel muss Produktdaten, Preise und Verfügbarkeit digital aktuell halten und Leistungen wie Lieferung und Anschluss eindeutig beschreiben.
  • 39 Prozent der potenziellen Käufer finden es schwierig, echte Preisnachlässe zu erkennen und benötigen Orientierungshilfen beim Angebotsvergleich.
  • Persönliche Beratung kann Elektrofachhandel differenzieren, indem Geräte zum tatsächlichen Bedarf und der Gesamtumfang des Angebots erläutert werden.

Elektrogeräte gehören zu den besonders gefragten Warengruppen rund um Black Friday und Cyber Monday. Gleichzeitig verändert künstliche Intelligenz die Angebotsrecherche: Laut YouGov will mehr als die Hälfte der potenziellen Aktionskäufer entsprechende Tools einsetzen. Für den stationären Elektrofachhandel ergibt sich daraus eine doppelte Aufgabe – digital in die Auswahl zu kommen und vor Ort einen nachvollziehbaren Mehrwert zu bieten.

31 Prozent der Erwachsenen in Deutschland planen, rund um Black Friday und Cyber Monday einzukaufen. Unter Angehörigen der Generation Z und Millennials liegt der Anteil bei 47 Prozent, bei der Generation X und den älteren Jahrgängen bei 20 Prozent. Das zeigt der „Black Friday Cyber Monday Report 2026“ von YouGov.

Die potenziellen Aktionskäufer veranschlagen im Durchschnitt Ausgaben von rund 356 Euro. Dieser Wert ist aus Ausgabenklassen geschätzt. Der Median liegt mit 175 Euro deutlich niedriger: Die Hälfte plant Ausgaben bis zu diesem Betrag. Beide Werte beziehen sich auf die gesamten geplanten Einkäufe während der Aktionsphase, nicht auf einzelne Elektrogeräte.

Elektrogeräte sind ein Schwerpunkt der Aktionswochen

Wie relevant die Verkaufsphase für die Branche ist, zeigt der Rückblick auf tatsächliche Käufe. Im deutschen YouGov-Haushaltspanel erreicht die Kategorie „Elektrogeräte und Zubehör“ während der Kalenderwochen 48 und 49 des Jahres 2025 einen Kaufindex von 149 gegenüber dem Durchschnitt der übrigen Jahreswochen. Damit liegt sie unter den dargestellten Kategorien vorn. Unterhaltungselektronik erreicht einen Index von 131, Computer und Zubehör kommen auf 114.

Auch der stationäre Handel profitiert von der Aktionsphase. Über sämtliche untersuchten Non-Food-Kategorien lagen die wöchentlichen Ausgaben im stationären Kanal 2025 um 14 Prozent über einer durchschnittlichen Woche im übrigen Jahr. Online betrug der Aufschlag 51 Prozent.

Die Zahlen zeigen damit zusätzliche Nachfrage auch im Geschäft, zugleich aber eine deutlich stärkere Ausgabenkonzentration im Onlinehandel. Sie beschreiben keinen Vorjahresvergleich und weisen den stationären Elektrofachhandel nicht separat aus.

Kunden suchen Preisvorteile und brauchen Orientierung

Ein großer Rabatt allein schafft noch keine Sicherheit. 39 Prozent der potenziellen Aktionskäufer finden es schwierig, echte Preisnachlässe zu erkennen. 36 Prozent haben Schwierigkeiten, das beste Angebot zu finden, und 24 Prozent beim Preisvergleich zwischen Händlern.

Hier setzt die wachsende Bedeutung künstlicher Intelligenz an. 42 Prozent der potenziellen Black-Friday- und Cyber-Monday-Käufer haben solche Tools bereits beim Einkaufen genutzt. In der deutschen Gesamtbevölkerung sind es 20 Prozent. Für die Aktionsphase 2026 halten 51 Prozent der potenziellen Käufer eine Nutzung für wahrscheinlich.

Dabei geht es vor allem um Orientierung. 42 Prozent würden künstliche Intelligenz zur Suche nach dem besten Preis einsetzen, 34 Prozent zur Prüfung, ob ein Rabatt echt ist, und 32 Prozent zum Vergleich ähnlicher Produkte oder Angebote.

Der vollständig automatisierte Kauf bleibt dagegen eine Minderheitenoption: Nur acht Prozent würden einen Kauf ohne vorherige Rückfrage abschließen lassen. Daraus lässt sich allerdings kein bevorzugter Einkaufskanal ableiten – auch ein selbst bestätigter Kauf kann online erfolgen.

Digitale Auffindbarkeit wird zur Aufgabe des Fachhandels

Für stationäre Elektrofachhändler legt der Report nahe, Angebote bereits in der digitalen Recherche verständlich und vergleichbar zu machen. Suchmaschinen genießen bei 75 Prozent der potenziellen Aktionskäufer Vertrauen als Hilfe bei der Angebotssuche. Händler-Websites und Apps erreichen 73 Prozent, Tools mit künstlicher Intelligenz 66 Prozent.

Eine Schlussfolgerung für den Fachhandel ist deshalb, Produktdaten, Preise und Verfügbarkeit aktuell zu halten und Leistungen eindeutig zu beschreiben. Bei Elektrogeräten betrifft das beispielsweise Modellvarianten, Ausstattung sowie gegebenenfalls Kosten und Umfang von Lieferung, Anschluss oder Altgerätemitnahme. Solche Informationen können Kunden helfen, den Gesamtumfang eines Angebots zu beurteilen.

Der Report misst jedoch nicht, welche konkreten Maßnahmen die Sichtbarkeit eines Händlers in automatisierten Empfehlungen verbessern. Er zeigt zunächst, dass diese Informationswege für die Zielgruppe relevant sind.

Beratung muss den Angebotsvergleich konkret erleichtern

Auch im Verkaufsgespräch liegt ein Ansatzpunkt: Statt ausschließlich den Preisnachlass hervorzuheben, können Händler erklären, welches Gerät zum tatsächlichen Bedarf passt und welche Leistungen im Angebot enthalten sind. Vorführungen, persönliche Ansprechpartner und verbindliche Liefer- oder Abholinformationen können diese Einordnung unterstützen.

Das ist eine branchenbezogene Ableitung aus den Ergebnissen, kein von YouGov nachgewiesener Wettbewerbsvorteil stationärer Geschäfte. Sie passt jedoch zum erkennbaren Informationsbedarf: Viele Aktionskäufer suchen nicht nur niedrige Preise, sondern Sicherheit bei der Auswahl.

Für die Aktionsplanung spricht dies für klar erläuterte Angebote mit überprüfbaren Produkt- und Leistungsangaben. Der stationäre Fachhandel kann damit die digitale Kaufvorbereitung und die persönliche Beratung enger verbinden.

Zur Methodik: Die Befragungsdaten stammen überwiegend aus einer gewichteten Online-Erhebung vom 13. Juli bis 11. August 2026. In Deutschland wurden 1.014 Erwachsene befragt; die Auswertungen zu potenziellen Aktionskäufern basieren auf einer Teilgruppe von mehr als 300 Personen. Die Kaufdaten für 2025 stammen aus dem YouGov Shopper Panel Non-Food mit rund 20.000 Haushalten brutto.


Den ganzen Report gibt es hier.