Langer Atem ist gefragt: “Retailing in a Disruptive World”

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Chris Bücker, Gründer und Organisator des TCG Retail Summit
Chris Bücker, Gründer und Organisator des TCG Retail Summit, während seiner Eröffnungsrede.

Am 22. und 23. April fand in Madrid zum zweiten Mal der „European Technical Consumer Goods Retail Summit (TCG Retail Summit) statt. Gegenüber der ersten Veranstaltung im vergangenen Jahr in Berlin verbuchte der diesjährige Kongress über 20 Prozent mehr Teilnehmer. Die rund 200 Branchenexperten kamen aus über 20 europäischen Ländern, selbst aus Südamerika, Afrika und Asien waren einige Führungskräfte aus der TCG-Szene angereist.

Der TCG Retail Summit, so Organisator Chris Bücker, versteht sich als Plattform für neues Denken und Handeln. Bücker konkreter: „Die Europäische TCG Handelstagung ist die einzige gesamteuropäische Veranstaltung, die Vordenker, Entscheidungsträger und Meinungsführer aus dem TCG Einzelhandel aus ganz Europa – sowohl auf nationaler und internationaler Ebene – mit dem Ziel zusammenbringt, die Auswirkungen der jüngsten Entwicklungen im TCG Einzelhandel (Unterhaltungselektronik, Haushaltsgeräte, Informationstechnologie, Telekommunikation) zu analysieren und Lösungen aufzuzeigen.

Kaffee+ im Text

Im Fokus standen hochkarätige Vorträge. Referenten in Madrid, die auch hierzulande eine hohe Reputation genießen, waren unter anderem Hans Carpels, Präsident Euronics International, Patrick Neuss, bis Ende Mai Geschäftsführer e-Square, John Olsen, Managing Director, Euronics International, sowie Frank Bussalb, Vice President Beschaffung, Media-Saturn-Holding. Weitere internationale Aspekte brachten in die Diskussion ein: Mark Slater, Strategy & Transformation Director, Dixons Carphone UK & Ireland, Jean Charretteur, Global Non Food Commercial Director, Metro Group, Jonas Samuelson, Chef der Sparte Elektrogroßgeräte EMEA Electrolux sowie Regis Schultz, CEO, Darty Group.

Keine Blaupause in der Hinterhand

An dieser Stelle eine erste Erkenntnis, die Chris Bücker wie folgt zusammenfasst: „Während wir zur Kenntnis nehmen müssen, dass der stationäre (Bric & Mortar) Einzelhandel nicht die alleinige Zukunft sein wird, aber auch online nicht das wirklich seligmachende Konzept ist, scheint sich abzuzeichnen, dass wohl eine Fusion der beiden Kanäle ansteht. Das bedeutet, dass am Ende des Tages alles nahtlos miteinander verbunden ist.“

„Der TCG-Gipfel hat aufgezeigt, dass niemand in der Branche eine magische Erfolgs-Blaupause in petto hat, wenn es denn eine solche überhaupt gibt“, sinniert Bücker. Beruhigend, aber überhaupt nicht zufrieden stellend ist diese Erkenntnis: Alle Teilnehmer, speziell aus dem aus dem Einzelhandel, stehen vor den ähnlichen Herausforderungen und sind sich bewusst, die notwendigen Lösungen sind komplex, erfordern einen langen Atem sowie hohe Finanzinvestitionen.

Emotionalisierung im Handel

Markus Tuschl von der GfK zeigte noch ein anderes Phänomen auf. Für den Marktanalysten steht fest, „die Verbraucher von heute besitzen eine besondere Machtposition, denn Transparenz und Hyperwettbewerb hätten die Verbraucher in diese Position der Stärke versetzt. Tuschls Antwort darauf: Emotionalisierung im Handel!

Hinzu kommt, so Bücker, dass die Meinung von Freunden und anderen Nutzern an Bedeutung für den Kaufprozess zunehmen, wo hingegen der Rat des Verkäufers immer mehr in den Hintergrund gedrängt werde. Ein weiteres Problem: Die Loyalität der Verbraucher für Produkte und insbesondere Marken nimmt ständig ab. Auf all’ diese Herausforderungen bedarf es konkreter Strategien und Maßnahmen. GfK-Mann Tuschl gab dem Handel die Empfehlung an die Hand, permanent ihr Konzept zu „pimpen.“

Wettbewerbsrecht gewinnt zunehmend an Bedeutung

Die überwiegende Mehrheit – rund 80% der Anwesenden – stimmte der Aussage zu, dass die Vertriebspolitik der Hersteller stets im Einklang mit den Wettbewerbsregeln zu erfolgen habe. Compliance-Expertin Fiona Carlin von der Kanzlei Baker & Mackenzie gab dazu Hinweise und zeigte auf, wie die Wettbewerbsregeln sich auf das Thema E-Commerce auswirken. Bei den internationalen Gästen des Kongresses stießen insbesondere die deutschen kartellrechtlichen Regelungen auf wenig Verständnis.

Hohe Zuversicht

Trotz aller Herausforderungen und vieler Problembereiche, die Stimmung und Zuversicht auf dem zweiten European TCG Retail Summit blieb ungebrochen hoch. 65 Prozent der Teilnehmer erwarten für das laufende Jahr ein Umsatzwachstum in etwa von 3 Prozent, einige Mutige gar ein Plus von 6 Prozent. Das lässt hoffen und wird sicher auf dem dann 3. European Technical Consumer Goods Retail Summit mit den echten Werten zu verproben sein.