Konsum 2015: Prima Klima – auch im Handel?

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GfK-Indikator Konsumklima (Stand: Januar 2015)
GfK-Indikator Konsumklima (Stand: Januar 2015): Die Graphik zeigt die Entwicklung des Konsumklimaindikators im Verlauf der letzten Jahre.

Aufruhr in Nahen und Mittleren Osten, Kriegszustände nur gut zweieinhalb Flugstunden von uns entfernt in der Ostukraine, fiskalpolitische Muskelspiele in Griechenland mit ungewissem Ausgang. Die Rahmkenbedingungen für wirtschaftliches Handeln sind streng genommen lausig. Eigentlich. Denn in Deutschland herrscht prima (Konsum-)Klima. Beinahe ins Bodenlose fallende Benzinpreise einerseits und faktisch Null-Zinsen für Sparer andererseits sorgen für mächtig Konsum. Mehr noch: Der private Konsum ist einmal mehr Stütze und Motor der Wirtschaft. Der klassische Handel indes profitiert davon allerdings eher weniger…

Die Verbraucher zeigen sich zum Start ins neue Jahr deutlich optimistisch. Das Konsumklima verbessert sich weiter. Für Februar 2015 prognostiziert der Gesamtindikator 9,3 Punkte nach 9,0 Zählern im Januar. Die Konjunktur- und Einkommenserwartung wie auch die Anschaffungsneigung legen spürbar zu.

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Der drastische Einbruch bei den Energiepreisen in den vergangenen Wochen lässt offenbar auch die Verbraucher nicht unbeeindruckt. Weniger Ausgaben für Benzin und Heizöl stärken das verfügbare Einkommen und lassen den Konsumenten mehr Spielraum für andere Ausgaben und Anschaffungen. Folglich legen sowohl die Einkommenserwartung als auch die Anschaffungsneigung spürbar zu.

1. Konjunkturerwartung: Im Aufwind

Zudem halten die Konsumenten die niedrigen Energiepreisen offenbar auch für einen wichtigen konjunkturellen Impuls. Sie sehen die deutsche Wirtschaft nach der Delle im Herbst wieder im Aufwind. Da die Sparneigung im Januar 2015 auf ein neues historisches Tief abrutscht, legt auch das Konsumklima spürbar zu.

Zum zweiten Mal in Folge legt die Konjunkturerwartung im Januar 2015 deutlich zu. Der Indikator gewinnt aktuell 8 Punkte und weist nun 22,5 Zähler auf. Ein höherer Wert wurde zuletzt vor einem halben Jahr – im Juli 2014 – mit 45,9 Punkten gemessen.

Die deutschen Konsumenten sehen die deutsche Wirtschaft wieder im Aufwind. Noch im Spätsommer und Herbst vergangenen Jahres erlebte die Konjunktur aufgrund des krisenhaften weltwirtschaftlichen Umfeldes eine Schwächephase, bevor sie sich zum Jahresende wieder stabilisieren konnte. So meldet auch das Statistische Bundesamt, dass das Bruttoinlandsprodukt gerade zum Jahresende noch einmal zulegen konnte und folglich für das gesamte Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von 1,5 % auszugehen sei. Damit wurden die eher verhaltenen Prognosen aus dem Herbst leicht übertroffen.

2. Der Optimismus nimmt zu

Die Verbraucher rechnen damit, dass sich die deutsche Wirtschaft auch in den kommenden Monaten günstig entwickeln wird. Niedrige Energiepreise in Kombination mit einer deutlichen Abwertung des Euro wirken wie ein Konjunkturprogramm und dürften neben den Exporten auch die Investitionsneigung der Unternehmen weiter beflügeln. So nimmt denn auch bei den deutschen Unternehmen der Konjunkturoptimismus zu, wie der dritte Anstieg in Folge des ifo-Geschäftsklimas belegt.

Nach den spürbaren Einbußen im Vormonat legt die Einkommenserwartung im Januar wieder zu. Mit einem Plus von 6,8 Punkten kann sie die Verluste aus dem Dezember in Höhe von 7,5 Zählern fast vollständig wettmachen. Aktuell liegt der Einkommensindikator bei 47,8 Punkten.

CEO der GfK in Nürnberg: Matthias Hartmann
„Die GfK geht davon aus, dass der private Konsum in Deutschland, aber auch in Europa insgesamt eine deutlich Stütze für die Konjunktur sein wird“, Matthias Hartmann, CEO der GfK in Nürnberg.

3. Anschaffungsneigung: Acht-Jahres-Hoch

Bereits zum vierten Mal in Folge legt die Anschaffungsneigung im Januar dieses Jahres zu. Mit einem Plus von 8,3 Zählern klettert der Indikator auf 57,4 Punkte. Damit erreicht die Konsumneigung ein Acht-Jahres-Hoch. Im Dezember 2006, als die Anschaffungsneigung durch die unmittelbar bevorstehende Erhöhung der Mehrwertsteuer deutlich überzeichnet war, lag der Indikator mit 59,9 Punkten zuletzt besser.

Die Impulse kommen ebenfalls von den stark rückläufigen Energiepreisen. So hat sich der Preis für Rohöl seit Mitte vergangenen Jahres um mehr als 50 % gesunken. Wenn für Benzin und Heizöl deutlich weniger zu bezahlen ist, stehen den privaten Haushalten eben zusätzliche Mittel für andere Zwecke – so auch für Anschaffungen – zur Verfügung. Zudem erhält die Konsumneigung zusätzliche Impulse durch eine weiter fallende Sparneigung, die im Januar auf ein neues Allzeittief abgerutscht ist.

4. Klarer Aufwärtstrend

Das Konsumklima setzt seinen klaren Aufwärtstrend fort. Für Februar 2015 prognostiziert der Gesamtindikator 9,3 Punkte nach 9,0 Zählern im Januar. Das ist der höchste Wert seit November 2001. Damals stand das Konsumklima bei 9,6 Punkten. Es ist davon auszugehen, dass die Binnenkonjunktur in Deutschland auch in diesem Jahr einen wichtigen Beitrag zur gesamten wirtschaftlichen Entwicklung leisten kann. Bereits im vergangenen Jahr war der Konsum auch nach Einschätzung des Statistischen Bundesamtes eine wichtige Stütze der Konjunktur.

5. Handel profitiert eher wenig

Laut GfK-Prognose werden die Ausgaben der privaten Haushalte in Deutschland im Jahr 2015 real also um 1,5 % steigen. Für die Europäische Union erwartet GfK einen Anstieg zwischen 1,0 und 1,5 %, so Matthias Hartmann, GfK-Vorstandsvorsitzender. Der Einzelhandel wird indes nur wenig von den steigenden Konsumausgaben profitieren, wobei es im Non-Food-Bereich wesentlich besser als im Lebensmitteleinzelhandel aussieht. Im Non-Food-Handel wird der Markt in diesem Jahr wohl um 1,3 % zulegen. Der Handel mit Elektroartikeln muss allerdings gegen ein gutes Jahr 2014 anlaufen und sich an den guten Verkaufszahlen dank der Fußball-WM messen lassen.

„Profitieren werden vor allem der Wohnungsmarkt, die Touristikbranche sowie Restaurants“, ist sich GfK-Handelsexperte Dr. Wolfgang Adlwarth sicher. So stiegen die Wohnungsbaufertigstellungen im Jahr 2014 im Vergleich zum Vorjahr um satte 14 % Prozent, die Ausgaben für Renovierungen um stattliche 10 %. Wenn man dann davon ausgeht, dass zu jeder neuen Wohnung eine neue Küche gehört und diese vorzugsweise „offen“ geplant wird, profitieren auch die, die mit Hausgeräten handeln. Denn: Der neue Mercedes steht halt immer öfter in der Küche, in der man zeigt, was man hat. Und wo durchdachte Technik, die den Küchen-Alltag spürbar erleichtert, auf Top-Design trifft, lässt sich auch höherwertig verkaufen. Das gilt für die großen wie die kleinen Hausgeräte im (repräsentativen) Lebensraum Küche.