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Das Lob kommt von allen Seiten: „Einfach superlecker der Kaffee & mit Herz gemacht“, schreibt Philipp W. auf Facebook. Auch Julie-Ann H. bringt es mit wenigen Zeilen auf den Punkt: „Einfach klasse. Die Atmosphäre ist modern gemütlich, Service sehr herzlich, Kaffeeauswahl beträchtlich – und die Kuchen!“ Stimmt alles. Wir haben uns nach Köln aufgemacht, genauer in den Stadtteil Lindenthal, um die beiden Betreiber der Kölner Kaffeemanufaktur, Meike und Georg Hempsch, zu besuchen. Neugierig machte uns nicht zuletzt auch ihre Teilnahme am Gastro-Gründerpreis im vergangenen Jahr, der alljährlich die besten, innovativsten und kreativstebn Gründungskonzepte prämiert.

Zehn verschiedene Kaffee-Spezialitäten werden in der Kölner Kaffeemanufaktur geröstet und verkauft.
Zehn verschiedene Kaffee-Spezialitäten werden in der Kölner
Kaffeemanufaktur geröstet und verkauft.

Es ist Montagmorgen, kurz nach 9 Uhr, und wir sind überrascht: Überrascht von der hellen, freundlichen Atmosphäre im Ladenlokal der Kaffeemanufaktur an der Dürener Straße, vom entwaffnenden Charme der Meike Hempsch und vor allem darüber, dass die sechs Tische binnen weniger Minuten besetzt sind. Der Kölner lässt sich halt gerne da nieder, wo es authentisch, herzlich und gemütlich ist.

Kaffee+ im Text

Mit Gefühl und Präzision

Eigentlich verstehen die beiden Betreiber das kleine Café eher als eine Gelegenheit, ihr Produkt Kaffee in Ruhe kennenzulernen und zu verkosten. Schließlich geht es ihnen vor allem darum, eine Kaffee-Marke in Köln zu etablieren, die für besondere Qualität steht. Aber längst gibt es die ersten Stammtische, kommen Studenten und Assistenzärzte aber auch etliche Senioren aus der Kännchen-Kaffee-Generationen. Sie alle kommen, weil der Kaffee direkt im Ladenlokal von Georg Hempsch mit Gefühl und Präzision geröstet wird, sie kommen, weil die Qualität des Malabar (leichte Schokoladennote, vergleichsweise säurearm), gewaschenen Sidamo (geradezu blumig-leicht mit fruchtigen Beeren-Aromen und feiner Säure) oder Columbia (wunderbar würzig) erster Güte ist, und sie kommen auch wegen des von Meike Hempsch selbst gebackenen Zitronen- oder Nusskuchens, beides kongeniale Partner zu den braunen Bohnen.

„Unsere Kunden und Gäste sollen probieren, vergleichen, Unterschiede erschmecken. Aber wir wollen niemals belehren“, sagt Meike Hempsch. Die junge Mutter kommt aus dem Hotelfach, was man jederzeit spürt: freundlich, aufmerksam, die Augen überall, kompetent und eben das Gen für den Gastgeber aus Leidenschaft. Im 4-Sterne Schlosshotel der Wasserburg Anholt leitete sie das Gourmet-Restaurant, auf der MS Europa lernte sie die Welt kennen. Beim ersten Sommelier-Lehrgang der IHK Koblenz lernte Meike Hempsch ihren Mann Georg kennen. Schon damals ging es um Kaffee: Das Thema Kaffee war ein Bestandteil der Schulung, beide Naturprodukte weisen auch viele ähnliche Eigenschaften – sei es Abhänigkeit von Wetter und Klima, die Aromenvielfalt und die Geschmacksansprache – auf.

Der Rohkaffee kommt wöchentlich aus Hamburg.
Der Rohkaffee kommt wöchentlich aus
Hamburg.

Alles eine Frage der Kaffeeröstung

Auch Georg Hempsch, gelernter Kaufmann und zuletzt für Marketing und Vertrieb eines bekannten Markenartiklers zuständig, ließ sich in IHK-Lehrgängen zunächst zum klassischen Sommelier ausbilden, Lehrgänge zum Kaffee-Sommelier und schließlich zum Röster kamen hinzu. „Wenn man langsam und schonend röstet, können sich die gewünschten Aromen optimal entfalten, während gleichzeitig der Gehalt unangenehmer Säuren sinkt“, klärt uns Hempsch auf. Wir lernen: Geschmack und Bekömmlichkeit ist vor allem eine Frage der Röstung.

Kaffee: Säure + Säure – das knallt!

Seit September 2015 wird in der Kölner Kaffeemanufaktur mehrmals die Woche Kaffee von höchster Qualität – Meike Hempsch: „Nur fünf Prozent der Weltproduktion ist die Top-Qualität, von der wir hier reden.“ – frisch geröstet. Wenn Georg Hempsch dann an der Röstmaschine (der Weltmarktführer Probat kommt aus dem niederrheinischen Emmerich!) steht, sind alle seine Sinne wachsam. Die Augen und Hände testen zunächst die Qualität des Rohkaffees, die über einen Mittelsmann in Hamburg eingekauft werden. Zunge und Nase riechen und schmecken dann die Proben, die während der Röstung bei rund 200 Grad heiß entnommen werden. Und auch die Ohren sind im Spiel: Kurz bevor die Bohnen zu platzen beginnen, muss die Brennerleistung runter, erklärt uns Hempsch.

Die Geschichte der Kölner Kaffeemanufaktur ist jung. Gerade mal ein knappes Jahr ist das Kölner Kaffee-Start-up am Markt. Doch die ersten Erfolge zeigen sich rasch: Das Café ist bestens besucht, ein knappes Dutzend verschiedene Kaffees wandert über den Verkaufstresen. Und auch immer mehr Händler werden auf die Kaffee-Expertise des Ehepaares Hempsch aufmerksam. Der Kaufhof hat den Kaffee der Kölner Kaffeemanufaktur ebenso gelistet wie einige Rewe-Märkte. Und das bei stetig wachsender Konkurrenz. Für Meike und Georg Hempsch ist aber noch Luft nach oben. Gerade in der Gastronomie und Hotellerie ist das Thema Kaffeeversorgung (nicht nur) für anspruchsvolle Gäste ein Ärgernis.  „Der wird morgens um 6 Uhr gekocht und verharrt über Stunden in Thermoskannen“, weiß Meike Hempsch und sieht in ihrer alten Branche noch reichlich Potenzial. Ihr Lieblingskaffee? Vormittags gibt es einen sättigenden, entcoffeinierten Cappuccino, nachmittags einen Sidamo mit Zitronenkuchen. Hempsch: „Säure plus Säure, das knallt!“