Expert: Deutlich besser als der Markt unterwegs

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Der Vorstand der expert AG verkündete ein Umsatzplus von 5,5 Prozent. (v.li.) Dr. Stefan Müller, Volker Müller, Vorstandsvorsitzender, und Gerd-Christian Hesse.
Der Vorstand der expert AG verkündete ein Umsatzplus von 5,5 Prozent. (v.li.) Dr. Stefan Müller, Volker Müller, Vorstandsvorsitzender, und Gerd-Christian Hesse.

Im Vergleich zur Marktentwicklung ist expert deutlich besser unterwegs, so die Verbundgruppe auf ihrer Bilanzpressekonferenz am 24. Juni in Hannover. Zum Beispiel bei Unterhaltungselektronik (inkl. Foto): Der Markt für die UE weist ein Minus von 5,7 % aus, expert konnte dagegen halten und ein kleines Plus von 0,2 % erwirtschaften. Bei Elektrohausgeräten liegt die Verbundgruppe mit 2,6 Prozentpunkten über Markt, bei der Telekommunikation sogar mit über 6,6 Prozentpunkten. Mehr Details zeigt das beigefügte Chart.

Das überdurchschnittliche Wachstum schlägt sich positiv im Ergebnis nieder. So schließt das Geschäftsjahr 2014 / 2015 (1.4.2014 bis 31.3.2015) der expert AG mit einem Umsatzplus von 5,5 %. Der Innenumsatz zu Industrieabgabepreisen ohne MwST, der aus dem Einkauf der angeschlossenen Gesellschafter resultiert, steigt damit erstmals über die 2 Milliarden-Marke auf 2,09 Milliarden Euro. Im Vorjahr waren es 1,98 Milliarden Euro und man war im Wirtschaftsjahr 2013 / 2014 regelrecht erleichtert, noch ein Umsatzplus von rund 1,5 Prozent eingefahren zu haben. Müller auf der diesjährigen Bilanzpressekonferenz stolz: „Wir waren kein Jahr im Minus.“

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expert kompakt

Kein Wunder, dass der expert Vorstand mit Volker Müller an der Spitze, sich über das Plus von 5,5 % wie auch über das Überspringen der magischen 2 Milliarden-Marke „sehr zufrieden“ äußert und von einer „überproportional guten Leistung“ spricht.“

Auch die expert-Gesellschafter dürfen sich über das gute Ergebnis freuen, was auch zu einem großen Teil ihr Verdienst ist. Sind sie gut im Markt unterwegs, dann schlagen sich ihre Aktivitäten mit einem erhöhten Warenbezug bei der Zentrale nieder. So erhielten die expert-Gesellschafter im Geschäftsjahr 2014 / 2015 eine satte Gesamtausschüttung in Höhe von 192,8 Millionen Euro (Vorjahr 184 Millionen Euro). Zusätzlich wird den Aktionären auf der diesjährigen Hauptversammlung eine Dividende von 235,50 Euro pro Aktie vorgeschlagen. Wie bereits schon Ende März kommuniziert, hat die expert AG im Rahmen einer Kapitalerhöhung von 5,5 Millionen Euro ihr Aktienkapital auf insgesamt 39,3 Millionen Euro aufgestockt.

Aktuell sind 215 expert Gesellschafter (Vorjahr 226) an 454 (Vorjahr 461) Standorten aktiv. Im Gegensatz zum Geschäftsjahr 2013 / 2014, in dem es eine starke Flächenexpansion durch Übernahme von 18 ProMärkten sowie weitere 19 Fachmärkte durch bestehende Mitglieder gab, war das aktuell abgeschlossene Geschäftsjahr 2014 / 2015 nur durch ein minimales Flächenwachstum beeinflusst. Insgesamt stieg die Verkaufsfläche um 6.000 qm auf 451.000 qm an. Hierbei, so expert, handelt es sich um organisches Wachstum bestehender, erfolgreicher Gesellschafter. Im angelaufenen Geschäftsjahr sind neun neue Fachmärkte geplant, zwei davon entfallen als Regiebetriebe auf die expert Zentrale. Zu den geplanten neun Standorten schwieg sich der expert-Vorstand noch aus.

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Der Erweiterungsbau der expert Zentrale soll verstärkt zu mehr innerbetrieblicher Effizienz beitragen.
Der Erweiterungsbau der expert Zentrale soll verstärkt zu mehr innerbetrieblicher Effizienz beitragen.

Entwicklung der Warenbereiche

Entscheider Treiber für den expert-Umsatz ist neben der Telekommunikation, die aufgrund der hohen Nachfrage nach Smartphones um 17,8 % wuchs, die Produktgruppe Elektrohausgeräte. Diese ist bereits im Geschäftsjahr 2013 / 2014 um satte 6,1 % auf 566,9 Millionen Umsatz gewachsen. Aktuell konnte die Elektrosparte nochmals eine Schippe drauflegen und einen Umsatz von 611,3 Millionen Euro verbuchen, ein deutlicher Schub um 7,8 %. Hält diese Entwicklung an, dann dürfte die Kategorie Elektro in Kürze die Sparte Unterhaltungselektronik inkl. Foto mit jetzt 620,6 Millionen Euro von Platz 1 verdrängen. Zur Ehrenrettung der UE sei gesagt, trotz des schwierigen Marktumfeldes, konnte ein respektables Wachstum von 1,7 % erzielt werden.

Im Rahmen der Umsatzanalyse lohnt ein Blick auf die expert eigenen Einzelhandelsaktivitäten. Diese erzielten ein Plus von 19,7 %. Zusammengefasst erwirtschafteten die Regiebetriebe mit insgesamt 33 eigenen Fachmärkten – eingeschlossen sind auch die Aktivitäten der e-Commerce GmbH – einen Umsatz in Höhe von 247,2 Millionen Euro. Und dabei sind die Erlöse der expert Techno-Land, Deizisau, die zum 1.5. dieses Jahres übernommen wurde, noch nicht eingerechnet. Dies bedeutet, dass selbst größte expert-Gesellschafter wie zum Beispiel Klein oder Bening nicht an den Gesamtumsatz der Regiebetriebe heranreichen.

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Aufkauf von Gesellschaftern kein strategisches Ziel

Doch wie Volker Müller, Vorstandsvorsitzender der expert AG betont, „ist es nicht das strategische Ziel der Zentrale, Gesellschafter Stück für Stück aufzukaufen.“ Im Gegenteil, man möchte Betriebe gerne wieder an Gesellschafter zurückveräußern. Positive Beispiele dieser Strategie sind die Überführung des Standortes Wolfenbüttel an die „expert-Gesellschafter in Salzgitter sowie die Weiterreichung des Fachmarktes in Waldshut-Tiengen an Geschäftsführer Klaus Hauser.

Regiebetriebe eignen sich jedoch ideal als Testobjekte. Expert kernsaniert aktuell den Fachmarkt in Schwerin und wie Müller in seiner lockeren Art ausführt „werden wir jede halbwegs bekannte Technologie einbauen.“ Angedacht ist unter anderem an WLAN-Empfang im kompletten Geschäft. Anfang Oktober soll die Eröffnung sein.

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Bereits mehr als 1.200 Überprüfungen

„Unsere Gesellschafter sollen sich vor Ort nachhaltig positiv entwickeln“, betont Müller. Dabei steht vorrangig eine Steigerung der Flächenproduktivität an. Erreicht werden soll dies Ziel – wie schon auf der expert Frühjahrstagung im Februar ausgeführt – durch eine Qualifizierungsoffensive. Als Messlatte und Handlungsempfehlungen dienen die Ergebnisse von Mystery Shopping Aktionen in den jeweiligen expert Fachmärkten. Die Zentrale stellt für Mystery Shoppings wie auch für nachfolgende Schulungen finanzielle Anreize bereit und hat dafür ein Budget von etwa 750.000 Euro bereitgestellt. Bisher wurden über 1.200 Checks in knapp 180 expert-Läden durchgeführt.

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Mit Multichannel bereits auf der Erfolgsspur

Und was tut sich beim Thema Multichannel? Dazu eine Bestandsaufnahme: 283 expert Fachgeschäfte und Fachmärkte machen mit, über 18.000 Artikel sind online abrufbar und über 120.000 Anfragen gab es in den letzten sechs Monaten, 50 Prozent davon außerhalb der Geschäftszeiten. Vorstand Dr. Stefan Müller bilanziert: „Wir sind sehr zufrieden mit dieser Entwicklung, da deutlich mehr als die Hälfte der Anfragen zu Umsatz in unseren Fachgeschäften und Fachmärkten führt.“

Und Dr. Müller weiter: „ Unser Ziel ist es, die vorhandenen Prozesse schrittweise anzupassen und weiterzuentwickeln.“ Zu den nächsten Steps zählen eine noch detailliertere Produkt-Verfügbarkeitsanzeige auf der Webseite der Mitgliedsgeschäfte, eine Optimierung der Bedienoberfläche für Smartphones (responsives Design) und die Möglichkeit, Cross-Selling verstärkt einzusetzen. „Grundsätzlich geht es darum, die Kundenzufriedenheit zu erhöhen. Das gelingt uns zum einen damit, dass wir den Kunden online schneller an das gewünschte Produkt heranführen und zum anderen durch kompetente Information rund um das Produkt, ist sich Dr. Stefan Müller sicher.

Der expert Vorstandsvorsitzende Volker Müller fasst seine Einordnung auf der Bilanzpressekonferenz wie folgt zusammen: „Oberstes Ziel für das laufende Geschäftsjahr ist es, in Detailaufgaben besser zu werden, damit sich die expert-Gesellschafter vor Ort nachhaltig positiv entwickeln können. Der Ausbau der expert Vertriebssysteme, die aus der Analyse des Mystery Shoppings resultierenden Qualifizierungsmaßnahmen und die konsequente Weiterentwicklung der Multichannel Strategie geben hier die Marschrichtung vor. Wir rechnen damit, dass wir unseren Wachstumskurs fortsetzen werden und blicken optimistisch auf den Abschluss des laufenden Geschäftsjahres.“