Bosch allein zu Haus – aber bestens vernetzt

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Bosch Geschäftsführung
Chef-Kommunikator Dr. Christoph Zemelka mit der Bosch-Geschäfstführung: Dr. Rolf Bulander, Dr. Stefan Asenkerschbaumer, Dr. Volkmar Denner, Christoph Kübel, Uwe Raschke

Seit dem 5.Januar 2015 ist die Stuttgarter Robert Bosch GmbH alleiniger Gesellschafter der „neu geordneten“ BSH Hausgeräte GmbH, München. Der vormalige Miteigentümer des Joint-Ventures BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH, die Münchner Siemens AG, wollte den Bereich Consumer Products partout loswerden.

Verkauft wurde der Anteil für 3,14 Mrd. Euro. Nicht gerade nachgeschmissen. Aber wahrlich auch kein Verlustgeschäft. Der bereits bisher von der Bosch-Gruppe gehaltene und zum 31. Dezember 2014 mit einem Buchwert von 1,192 Millionen Euro bilanzierte Anteil wird neu zum beizulegenden Zeitwert bewertet. Bilanztechnisch wird sich für das laufende Geschäftsjahr daraus „ein Gewinn von voraussichtlich 1,6 Mrd. Euro ergeben“, wie dem Bosch Geschäftsbericht zu entnehmen ist. Entscheidend aber ist: Bei einem durchschnittlichen Konzernergebnis der BSH in den vergangenen Jahren in Höhe von etwas mehr als 400 Mio Euro wird sich die Investition in ein paar Jahren locker gerechnet haben.

Kaffee+ im Text

War Bosch treibende Kraft?

Bosch hatte dem einstigen Partner Siemens in den vergangenen Jahren stetig Avancen in Richtung Komplettübernahme gemacht. „Wir haben das Thema immer wieder mal auf den Tisch gebracht“, bestätigt Uwe Raschke, zuständig in der Bosch-Geschäftsführung für den Bereich Consumer Goods. In dieser Funktion fällt die BSH wie auch die Werkzeugsparte Power Tools in seinen Verantwortungsbereich.

Das in der Öffentlichkeit breit getretene Thema „Übernahme durch Samsung“ habe „in Wirklichkeit überhaupt keine Rolle gespielt“, berichtete der stellvertretende Bosch-Vorsitzende und Finanz-Chef Dr. Stefan Asenkerschbaumer. Und der muss es wissen: Schließlich war es Asenkerschbaumer, der die Verhandlungen mit Siemens geführt hat. Jetzt darf Bosch allein die Cash-Kuh BSH melken und freut sich angesichts dessen ein Loch in den Bauch.

Know-How-Transfer in vollem Gange

Der Know-How-Transfer ist bereits von der Leine gelassen, die Lambda-Sonde, die seit 1976 im KFZ-Bereich die Abgaswerte steuert, misst im Backofen die richtige Temperatur sowie Feuchtigkeit und gibt diese an Smartphones, Tablets etc. weiter. Entsprechende Apps aus dem Bereich Home Connect – IOS/Android ab Juni 2015 – haben vom Kochrezept über die Gerätesteuerung bis hin zur Fernwartung alles im Netz-Griff.

Die Themen Vernetzung wie auch Elektromobilität plus das automatisierte Fahren, am besten alles gleich in Kombination, zählt zu den Lieblingsthemen des Vorsitzenden der Bosch Geschäftsführung, Dr. Volkmar Denner. Den heiklen Aspekt Sicherheit/Datenschutz dabei haben die sorgsamen Schwaben fest im Fokus. Doch so ganz direkt wollte Denner sich während der internationalen Pressekonferenz am 29.April 2015 nicht zu der heiklen Frage äußern, ob möglicherweise auch Hacker zum Arbeitnehmerkreis der weltweit 360.000 (inklusive BSH) Beschäftigten zählen oder engagiert werden. Aber immerhin gibt’s für diesen – in Zeiten der BND-Ausspäh-Affäre – äußerst sensiblen Bereich eigens die Bosch Sicherheitssysteme GmbH in Grasbrunn.

Ideenplattform Bosch IoT Suite

Um das Gesamt-Kapitel Vernetzung weiter zu pushen, wurde im Februar – seit 22.April offiziell und von den Kartellbehörden abgenickt – der Vernetzungsspezialist ProSyst gekauft. (siehe infoboard.de). Langfristig ist die Verschmelzung mit der Bosch Software Innovations GmbH geplant, um vor allem das Internet der Dinge, kurz „IoT“ genannt, zu forcieren. Das beschäftigt sich just damit, wie Dinge und Geräte miteinander kommunizieren können, damit auch der Rasenmäher mit dem Smartphone steuerbar ist oder der Akkubohrer nicht nur induktiv geladen werden, sondern auch seinen Standort auf der Baustelle oder wo er sich auch sonst befindet, preisgeben kann. Die dafür notwendige Software-Entwicklung wird personell signifikant stark ausgebaut.

Bereits 45.700 Mitarbeiter sind aktuell in der Forschung und Entwicklung beschäftigt. Jeder Dritte davon ist jetzt schon ein Software-Entwickler; 3000 befassen sich mit dem „IoT.“ Das zeigt die Wichtigkeit dieses Bereiches. Es gibt dafür auch eine eigene Plattform namens Bosch IoT Suite, auf der sich weltweit ca. 750.000 Entwickler tummeln, um auch das Big Data-Management – also den Austausch großer Datenmengen – optimal zu bewältigen.

Zuhause, also im kleineren häuslichen Rahmen, wird dieser Tage die offene Software-Plattform Mozaiq, ein Gemeinschaftsunternehmen mit ABB und Cisco, gestartet. (www.mozaiq-operations.com). Daran sollen sich auch andere Haus- oder Heimgeräte-Anbieter (Heizungen, Thermostate, etc.) beteiligen oder diese zum Nutzen der Nutzer nutzen.

Insgesamt belief sich der Umsatz von Bosch 2014 auf 48.951 Mrd. Euro, was einem nominalen Wachstum von 6,3% (währungsbereinigt 7,4%) entspricht, nach 46.068 Mrd. Euro in 2013. Zusammen mit der BSH und anderen kürzlich getätigten Zukäufen läge der Umsatz 15 Mrd. Euro höher, also bei cà. 64 Mrd. Euro. Diese Größenordnung katapultiert Bosch in die Liga der zehn größten Unternehmen Deutschlands im Bereich Industrie, Handel und Dienstleistungen.